Zwischen den Zeilen liegt ein anderes Land
Der Fall Uwe Steimle zeigt, wie unterschiedlich Deutschland bis heute Sprache, Satire und Erinnerung versteht
Ein Essay von Sabiene Jahn
Ein Strafverfahren beginnt gewöhnlich mit einem Anfangsverdacht. Ein öffentlicher Skandal beginnt anders. Er beginnt mit Bildern, Symbolen, Überschriften und der Reihenfolge, in der ein Ereignis erzählt wird. Wer verstehen will, weshalb aus einem Kulturabend in Dessau-Roßlau binnen weniger Stunden ein bundespolitischer Fall wurde, darf deshalb nicht allein auf zwei Sätze des Kabarettisten Uwe Steimle schauen. Er muss den ganzen Abend sehen, die Bühne, die Rollen, das Thema Frieden, die politische Umgebung, die Reaktionen des Publikums, das gemeinsame Singen zweier deutscher Hymnen und schließlich die mediale Dramaturgie, die aus diesen Elementen eine einzige, hoch aufgeladene Erzählung formte.
