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Wohin geht die Reise mit dem „Einheitspapst“ Leo XIV.?

Von Gerhard Feldbauer

Am 8. Mai 2025, nach nur vier Wahlgängen, einem weniger als bei seinem am 21. April verstorbenen Vorgängers Franziskus, war Kardinal Franziskus Prevost bereits am zweiten Tag des Konklave zum 267. Pontifex gewählt worden. Laut Stimmen aus Vatikankreisen, habe eine große Mehrheit der 133 wahlberechtigten Kardinäle für ihn gestimmt. Auffällig war, dass noch vor Beginn der Abstimmung von einem kurzen Konklave, das ein Zeichen der Einheit der katholischen Kirche setzen werde, die Rede war. Das konnte nur darauf deuten, dass es Absprachen, Prevost zu wählen, gegeben hatte.

1955 in Chicago geborenen, kam mit ihm erstmals ein US-Amerikaner auf den Heiligen Stuhl. Er hat Eltern mit französischen, spanischen, italienischen und kreolischen Wurzeln und besitzt auch die Staatsbürgerschaft Perus, wo er lange Jahre als Missionar tätig war. 2015 hatte ihn Franziskus zum Bischof von Chiclayo, einer Diözese im Norden des Andenstaates, ernannt. 2023 war er zum Kardinal berufen worden. In Peru   wurden    seine Aktivitäten gegen die staatliche Repression, gegen Todeskommandos und das Regime des korrupten ehemaligen Präsidenten Alberto Fujimori gewürdigt. Er habe sich   auch dem ultrakonservativen „Sodalicio de Vida Cristiana“ entgegengestellt – einer Organisation aus Laien und Priestern, die über Jahrzehnte junge Männer sexuell misshandelte und der bäuerlichen Bevölkerung Tausende Hektar Land raubte. Während viele Bischöfe wegsahen oder gar mit der reaktionären Clique paktierten, habe Prevost den Widerstand der Landbevölkerung gestärkt, Berichte über sexuelle Gewalt nach Rom geleitet und schließlich mit dafür gesorgt, dass Papst Franziskus die Organisation eine Woche vor seinem Tod, am 14. April 2025, endgültig auflöste. Vorwürfe des „Survivors Network of those Abused by Priests“ (Netzwerk von Opfern, die von Priestern missbraucht wurden), er habe Fälle nicht konsequent verfolgt, wies Prevost zurück. Er führte an, dass er 2022 eine kanonische Voruntersuchung wegen Missbrauchsvorwürfen gegen zwei Priester der Diözese Chiclayo eingeleitet und in der linksliberalen peruanischen Zeitung „La República“  verkündet hatte: „Wenn Sie Opfer von sexueller Gewalt durch einen Priester sind, melden Sie es.“ Laut Diözesangaben wurden die Ergebnisse der Untersuchung im Juli 2022 an das Dikasterium für die Glaubenslehre weitergeleitet, das jedoch – wie die staatlichen Behörden Perus – eine unzureichende Beweislage bemängelt habe.

Dass Franziskus Prevost 2023 zum Präfekten des Dikasteriums für die Bischöfe, das dem Papst die Berufung neuer Kardinäle vorschlägt, ernannte, wurde so gedeutet, dass dieser ihm selbst den Weg bereitet habe, sein Nachfolger zu werden, da man über die Berufung der Kardinäle Einfluss darauf hat, wer in der Zukunft den Papst wählt. Für Franziskus könnte auch eine Rolle gespielt haben, dass Prevost, wie er, in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, nämlich in einem unscheinbaren Einfamilienhaus von knapp 70 Quadratmetern in Dolton, einem Vorort von Chicago. Unter diesen Gesichtspunkten meinte selbst das italienische kommunistische Magazin „Contropiano“, Prevost sei sicherlich besser als jemand aus dem „Trump-Kreis“. Auf den ersten Blick genüge es zu sagen, dass es schlimmer hätte kommen können, denn schließlich stellten die Katholiken immer noch ein Siebtel der Weltbevölkerung.

„Vatikan News“ schrieb, sein Wirken werde davon geprägt sein, engagiert den Dialog und Frieden zu fördern und für eine Kirche, die sich nicht an die Mächtigen „anlehnt“, und die Mission nicht mit religiösem Marketing verwechselt, einzutreten. Zum ersten Jahrestag schrieb das offizielle Metteilungsblatt des Vatikans, er habe beharrlich dieses Friedensengagement und weltweite Herausforderungen auf seine unaufgeregte, durchdachte und sorgfältige Art angegangen. Dabei sei zentrales Thema, dass sich unter Papst Leo wieder mehr „an der Tradition orientiert“ werde, er mit seinen Worten und Handlungen die Kirche und die Welt beeinflusst und sich dabei als Vorbild für Frieden und spirituelle Autorität erwiesen habe.

Nicht wenige Aspekte des bis dahin und auch im zweiten Amtsjahr von Leo XIV. eingeschlagenen Kurses sprechen eine andere Sprache. Die Frage, wohin die Reise des in den „Vatikan News“ medienwirksam vorgestellten „Einheitspapstes“ geht, ist jedoch nicht einfach zu beantworten, da der neue Pontifex unermüdlich betont, das Werk seines Vorgängers Franziskus fortzusetzen, zu Frieden aufruft, und sich mehrfach medienwirksam auch gegen US-Präsident Trump in Szene setzte. Damit unterscheidet er sich von diesem und den europäischen Regierungen, die eine zum Krieg treibende Politik verfolgen, was von Friedenskräften und selbst den Linken begrüßt und gefeiert wird.

Gleichzeitig flankiert er seinen Weg mit Rückblicken auf die Geschichte, deren Verlauf die heutigen Generationen der Katholiken kaum oder überhaupt nicht kennen und er darauf setzen kann, dass ihm Glauben geschenkt wird.

Prevost galt als Kompromisskandidat, mit dem die Wahl eines reaktionären Kandidaten verhindert worden sei, wie sie manche Teile des Klerus und politische Kreise verfolgt hatten – etwa in den USA, wo bereits das Pontifikat von Franziskus der Trump-Regierung ein Dorn im Auge war. Aber es ist so, dass Leo XIV.  Pflöcke einschlägt, die markieren, dass er an den Grundsätzen der katholischen Soziallehre festhält und ihre maßgeblichen Begründer als Leitbilder für die Gegenwart herausstellt. Und das, folgt man „Vatikan News“ in „sorgfältiger Art“.

Zurück ins Mittelalter

Leo XIV. war kaum einen Monat im Amt, als er auf einem Symposium am 7. Juni 2025 zum 1700. Jahrestages des Konzils von Nizäa erklärte, dieses solle zu einem Kompass werden, der „zur vollen sichtbaren Einheit der Christen führen muss“. Laut „Vatikan News“ sagte der Papst, das Konzil habe unter anderen „par excellence“ die „Norm des christlichen Glaubens“ verkündet, und hob hervor, das erste Konzil in Nizäa, dem heutigen Iznik in der Türkei, hat nicht etwa ein Papst, sondern ein Kaiser, Konstantin der Große, einberufen.

Es war der einsetzende Zerfall des riesigen römischen Imperiums der Sklavenhalterordnung, der Konstantin I. veranlasste, die christliche Kirche zum Verbündeten zu machen, um diesen aufzuhalten. Zunächst tolerierte er die verfolgte Kirche bis 313, privilegierte sie dann und erhob sie schließlich zur Staatskirche. Als äußeres Zeichen ließ er das Christusmonogramm auf die Schilde seiner Soldaten malen (Konstantinische Wende). Endgültig wurde das Christentum dann durch das Religionsedikt „Cunctus populos“ (An alle Völker) 380 von Kaiser Theodosius I. (379-395) zur herrschenden und allein tolerierten Religion des Reiches erklärt. Es verbot „alle heidnischen Religionen und schaltete die vom Katholizismus abweichenden mit Zwangsmaßnahmen“ aus. Damit wurde die Mehrheit der Bewohner des Römischen Reiches der katholischen Religion unterworfen. Der Sklavenhalterstaat vereinnahmte so den Katholizismus als Staatsreligion. Nur die dem Gesetz folgten, wurden als katholische Christen anerkannt, alle nichtkatholischen Varianten „für wahrhaft toll und wahnsinnig“ erklärt.

Um zu erkennen und zu bewerten, wo Leo XIV. Leitbilder und Orientierungen für die Kurie in der Gegenwart sieht, ist ein Blick in diesen Abschnitt der Geschichte der Katholischen Kirche unerlässlich. Das Christentum war zuerst die „Religion der Sklaven und Freigelassenen, der Armen und Rechtlosen, der von Rom unterjochten oder zersprengten Völker“, für die es zur Heilslehre der „Erlösung aus Knechtschaft und Elend“ wurde.[1] Erst im 1. und 2. Jahrhundert begannen reaktionäre Kleriker, die katholische Kirche als eine Papstmonarchie zu begründen.

Das Zentrum der Herausbildung der katholischen Kirche, die beanspruchte, die einzige Religion des Christentums zu sein, war in dieser Zeit Antiochia (heute Antakya in der Türkei), drittgrößte Stadt des Römischen Reiches. Unter dem Bischof Ignatius I. wurde es zum Zentrum frühchristlicher Theologie und kirchlicher Macht. Ignatius verwendete erstmals den Begriff der „katholischen Kirche“ und forderte, „dass man den Bischof wie den Herrn selbst ansehen muss“, dass man ohne ihn „überhaupt nichts tun“ dürfe. „Wer ohne den Bischof etwas tut, dient dem Teufel“, verkündete er drohend. Unter ihm begann die übelste Diffamierung aller andersgläubigen Christen als „wilde Tiere“, „tolle Hunde“, „Bestien in Menschengestalt“.[2]

Das Werk Ignatius I. setzte der 248 von Papst Fabian (236-250) zum Bischof von Karthago geweihte Cyprian fort. Er vervollständigte es mit seiner Schrift „Die Einheit der katholischen Kirche“ und leitete damit den Aufbau einer einheitlichen autoritären hierarchischen Herrschaft der Kirche ein. Sie wurde zur allein gültigen Kirchenlehre und in den folgenden Jahrhunderten mit Methoden durchgesetzt, die bereits das Terrain für die spätere Inquisition bereiteten. Erstmals wurden strenge Regeln für die Einheit der Kirche fixiert, Abtrünnige vom Genuss  der Heilsbotschaft und der Erlösung ausgeschlossen und der Bannstrahl verkündet. Der „Zorn Gottes“ werde sie „treffen, mit schweren Strafen, die über die Ungläubigen kommen“ und mit „ewigen Qualen, die für die Treulosen festgesetzt sind“.  Gott könne „der nicht mehr zum Vater haben, der die Kirche nicht zur Mutter hat“, so Cyprian weiter. Jeder, der sich von der Kirche trennt ist „ein Fremder, ist ein Unheiliger, ein Feind.“  Zu den hasserfüllten Auswüchsen von Cyprian gehörte der Spruch, „der Teufel ist des Juden Vater“, der unter Hitler und Goebbels zu einem Nazischlagwort wurde.

Dieser Heilige Bischof spuckte Gift und Galle nicht nur gegen Juden und Heiden, sondern auch gegen seine christlichen Widersacher, die ihre Stimme gegen ihn erhoben. Ihre Lehren nannte er „Unsinniges, Wirres“, „infame Lüge, Zauberei“, „Krankheit“, „Tollheit“, „Schlamm“, „Pest“, „Geblök“, „wildes Heulen“ und „Gekläff“, „Traumgebilde und Altweibergeschwätz“, die „größte Gottlosigkeit“. Christliche Konkurrenten  waren für Cyprian stets „aufgeblasen“, „verblendet“, der „Meinung, mehr als die anderen zu sein“, waren „Atheisten“, „Narren“, „Lügenpropheten“, „Erstgeborene des Satans“, „Sprachrohr des Teufels“, „Tiere in Menschengestalt“, „giftspeiende Drachen“, „verrückt“. Dieser Bischof duldete keinerlei Kontakt mit andersgläubigen Christen. „Die Trennung erstreckte sich auf alle Lebensbereiche“. Für ihn, der wiederholt „regelrechte Ketzerlisten“ aufstellte, war die katholische Kirche „alles und alles andere im Grunde genommen nichts“.[3]

In der Tradition der Verfolgung

Bischof Cyprian war bereits von dem deutschen Papst Benedikt XVI. bei der Verfolgung seiner menschenfeindlichen Offensive unter den Kirchenvätern ausdrücklich zu einem seiner Leitbilder erkoren worden. [4] Bezeichnenderweise kam ein Mann aus Karthago, der Provinz Bischof Cyprians, der Prediger Aurelius Augustinus (354-430), der 395 zum Bischof geweiht wurde, nach Rom, um für die unter Konstantin I. eingeleitete Verfolgung von Abtrünnigen das theoretische Rüstzeug zu liefern.

Als der Papst sich zum 1700. Jahrestag nach Nizäa begab, wurde das Thema in den Berichten von „Vatikan News“ nicht berührt. Das ist typisch für Leo, zu heiklen Themen seinen Standpunkt darzulegen, sie danach eine Weile ruhen zu lassen, um sie dann wieder aufzugreifen. Das geschah bei seinem Besuch in Algerien im August 2025, wo er Aurelius, der dort geboren wurde, später dort als Bischof wirkte und verstarb, in seiner Predigt am 23. August Politikern und Gesetzgebern als „Orientierung in Zeiten des Umbruchs“ empfahl. Augustinus habe die Menschen ermutigt, „die irdische Gesellschaft mit den Werten des Reiches Gottes zu durchdringen“ und so menschliches Wachstum möglich zu machen. „Diese Vision gebe auch angesichts der heutigen Veränderungen Halt“, so Leo, der mit Bezug auf das „Aufkommen neuer Machtzentren, des Wandels alter Allianzen und des beispiellosen Einflusses globaler Konzerne und Technologien“ der Bedeutung des reaktionären Theoretikers der Unterdrückung jedweden Widerstandes gegen die Papstherrschaft  einen fortschrittlichen Anstrich geben wollte.

En Passant demonstrierte Leo wieder einmal, dass er, im Gegensatz zu einem Vorgänger Franziskus, mit den Befreiungstheologen nichts am Hut hat, in dem er den am 12. April 2023 in Algerien verstorbenen früheren Bischof von Evreux (Frankreich), Jaques Gaillot, keines Wortes würdigte.

Gaillot hatte die am 8. Juni 1993 von Johannes Paul II. erlassenen Enzyklika „veritatis splendor“, die die absolute Unterwerfung unter den (von dem polnischen Papst  verkündeten) Glauben und unbedingten Gehorsam der Gläubigen verlangte, abgelehnt. Der in Rom als Querulant verschriene Geistliche Gaillot stand nicht nur an der Seite der Befreiungstheologen, sondern verkörperte so ziemlich alles, gegen das die Spitze der Kurienhierarchie vorging. Er fühlte sich den Armen und Obdachlosen verpflichtet, kümmerte sich um Aidskranke und hatte Verständnis für Homosexuelle, war ein Sympathisant der palästinensischen Befreiungsbewegung und Yasir Arafats persönlich.

In einem Schauprozess 1995 des Glaubensgerichts unter Vorsitz seines Präfekten, des deutschen Kardinals Ratzinger, des späteren Papstes Benedikt XVI., der nur eine halbe Stunde dauerte, wurde Gaillot seines Amtes enthoben. Der Verurteilte weigerte sich, seine Amtsenthebung zu unterschreiben. Da man nicht wagte, dem verehrten Bischof völlig jede seelsorgerische Tätigkeit zu verbieten, schickte man ihn im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste, indem er als Titularbischof in die einstige, de facto nicht mehr existente nordafrikanische Diözese Partenia in der algerischen Sahara nahe der Stadt Setif geschickt  wurde. Schon bald wurde Gaillott auch dort ob seiner volksverbundenen Seelsorge weit über die Grenzen seines Bischofssitzes hinaus bekannt. An Stelle eines ihm nicht zur Verfügung stehenden Bistums schuf er sich ein Äquivalent im Internet und konnte auf seiner Homepage schon bald monatlich Tausende Pilger verzeichnen.[5]

Deutlicher konnte die Abkehr Leos von seinem Vorgänger Franziskus kaum demonstriert werden. Dieser hatte u. a. den Peruaner Gustavo Gutiérrez 2018 anlässlich dessen 90. Geburtstages in einem Brief für dessen Dienst an der Kirche und der Menschheit sowie für dessen Liebe zu den Armen und Ausgestoßenen der Gesellschaft gedankt. Den führenden Befreiungstheologen, den von faschistischen Todesschwadronen im März 1980 ermordeten Erzbischof von San Salvador, Óscar Arnulfo Romero, der offen den bewaffneten Kampf der Befreiungsbewegung Farabundo Martí unterstützte, hatte Franziskus 2015 selig- und 2018 heiliggesprochen. Wohin also geht die Reise mit Leo XIV.?

Zu Franz von Assisi – einem Leitbild

Ein weiterer Anlass war, am 3. Oktober 2026 an den großen Kirchentheoretiker Franz von Assisi, der am 3. Oktober 1226 bereits zwei Jahre nach seinem Tod heiliggesprochen wurde, zu erinnern. Er  war Begründer des Ordens der Franziskaner, der sich binnen weniger Jahre in ganz Europa ausbreitete und gegen Ende des 13. Jahrhunderts in verschiedenen Ländern Europas über 1000 Klöster zählte. 1230 gründete er im Herrschaftsgebiet der Deutschordensritter eine Niederlassung in Riga. Er trug die Christianisierung/Eroberung der Ostgebiete durch den Deutschen Ritterorden, die unter dem Motto „Taufe oder Tod“ erfolgte, mit. Während die Deutschritter ihre Herrschaft mit dem „Schwert“ durchsetzten, bestand die Aufgabe der Franziskaner darin, die Macht der Feudalherrscher und des Papstes zu sichern, indem sie „den Volksmassen Demut, Ergebenheit und Leidensliebe“ predigten.

Franz von Assisi lehrte, dass der Mensch sich zu seinem Körper verhalten solle wie zu einem Esel und ihn deshalb „einem strengen Joch unterwerfen, häufig peitschen und mit schlechter Speise nähren müsse“. Der Mensch müsse so dahin gebracht werden, „alle Leiden und Kränkungen, und Ungerechtigkeiten und Demütigungen mit Geduld und Gleichmut zu ertragen“. Eine andere Aufgabe war, „keine Kritik an der offiziellen Kirche und ihrer Hierarchie“ zuzulassen, sondern im Gegenteil auf jede Weise die Loyalität „gegenüber dem päpstlichen Stuhl“ zu sichern. [6] Das führte zwangsläufig dazu, dass die Franziskaner neben den Dominikanern[7] sich ab der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts vor allem in Italien, Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich auch an der Verurteilung von Häretikern im Rahmen der Inquisition beteiligten. [8] Aber der Orden nahm „nicht nur an der Unterdrückung „fremder häretischer Bewegungen teil, sondern sah sich gezwungen, auch den Aufruhr in den eigenen Reihen zu unterdrücken. Das geschah, wie gewöhnlich in solchen Fällen, mit größter Grausamkeit“. [9]

Auch wenn in den letzten Jahrzehnten Autoren versuchten, der katholischen Kirche ein gemäßigteres, menschlicheres und weniger legendenhaftes Bild von der Person des Franziskus zu vermitteln,  steht dem entgegen, dass Franz von Assisi von Leo XIV. in einem „Vatikan News“ gegebenen Interview zu den Lehren der Kirche sagte, sie werde „so bleiben, wie sie ist“, womit er bekräftigte, auch an denen Franz von Assisis, als eines maßgeblichen reaktionären Kirchenlehrer des Mittelalters, anzuknüpfen.

Als er auf einer Messe am 3. November der verstorbenen Kardinäle und Bischöfe der Kuriengeschichte gedachte, die „neue, österliche Hoffnung gelebt, bezeugt und gelehrt“ haben, gehörte Franz von Assisi dazu, und er stellte ihn an die Spitze. Und da er auch seinen Vorgänger Franziskus hier einreihte, lieferte er wieder einmal ein Beispiel seiner Sicht auf die Einheit der Kirche, die er als „Papst der Einheit“ zu verkörpern vorgibt.

Der Kirchenhistoriker Volker Leppin [10] kritisierte zum 1. Jahrestag von Papst Leo XIV., dass „der Heilige Franziskus – Franz von Assisi – in Italien instrumentalisiert wird“. „Domradio“ gab am 9. Mai die „FAZ“ wieder, in der er in einem Beitrag sagte, die aktuelle Franziskus-Verehrung sei „eine politische Instrumentalisierung des Heiligen von Assisi“. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni mache den Heiligen zur Identifikationsfigur italienischer Einheit. Die Einführung des 4. Oktober als offizieller Feiertag sei „ein Baustein in Giorgia Melonis Versuch, das Land hinter sich zu einen“. Leppin ziehe dabei „eine direkte historische Linie zum italienischen Faschismus und verweise darauf, dass Meloni an Benito Mussolini anknüpfe, der den Franziskaner zu dessen 700. Todestag als nationale Ikone neben Dante, Kolumbus und Leonardo da Vinci inszeniert hatte. Auch die Ernennung des Franziskus zum Nationalpatron Italiens 1939 sei vom Druck der Faschisten begleitet gewesen.

Lepin beschrieb das Franziskusbild der Gegenwart als vielfach überformte Figur. Der Heilige ,erscheine heute als Friedensapostel, Umweltfreund und freundlicher Tierliebhaber. Historisch sei das Bild jedoch deutlich widersprüchlicher. Der Franziskaner habe seinen Mitmenschen „mit aller Wucht Gottes Drohungen“ entgegenschleudert. Heute umfasst die franziskanische Familie weltweit rund 650.000 Mitglieder in Laienbewegungen, Bruderschaften und klösterlichen Gemeinschaften. „Domradio“ erinnerte daran, dass Giorgia Melonis rechtsradikale Partei Fratelli d’Italia (FdI), die nach Hochrechnungen  auf mehr als 26 Prozent der Stimmen kommt, sich auf diese Massen bei ihrer Wiederwahl 2027 stützen kann.

 Zu den Traditionen des Faschismus

Die Aufrufe, den Predigern der Hinnahme von Elend und Leid in Demut und Hingabe zu folgen beziehen sich schon indirekt darauf, auch die gegenwärtige Unterdrückung und  Ausbeutung unter der Herrschaft der faschistischen Regierung Melonis, die Millionen ins Elend stürzt, Migranten dem Tod im Mittelmeer ausliefert, so hinzunehmen. Deutlicher wurde das, als Leo XIV. bei einem Empfang durch den italienischen Staatschef, Sergio Mattarellla, auf dem Quirinale (Amtssitz) im Oktober 2025 erklärte, die „herzlichen bilateralen Beziehungen zwischen Italien und dem Heiligen Stuhl“ seien „stets von aufrichtiger Freundschaft und wirksamer gegenseitiger Zusammenarbeit geprägt“ gewesen. Und er betonte ausdrücklich, dass es „eine glückliche Verbindung“ sei, die ihre Wurzeln in der Geschichte dieser Halbinsel und in der langen religiösen und kulturellen Tradition dieses Landes hat“. [11] Da betrieb das Staatsoberhaupt des Vatikanstaates nun eine den Tatsachen gründlichst widersprechende Geschichtsklitterung.

Der blutige faschistische Terror, unter dem 1920 2.500 Italiener (Männer, Frauen, Kinder und Greise) unter den Kugeln der Faschisten starben, im ersten Halbjahr 1921 ungefähr 1.500 Menschen durch Kugeln, Messer und Schlagstock der Faschisten getötet, 20.000 Bewohner der Städte fliehen mussten, [12] hinderte den im Februar 1922 neu gewählten Papst Pius XI. nicht, zusammen mit seinem Kardinalstaatssekretär Pietro Gasparri offen Partei für die Faschisten zu ergreifen.[13]  Die von dem Priester Don Luigi Sturzo im Auftrag des Vatikans 1919 gegründete katholische Volkspartei trat in die Mussolini-Regierung ein und verdeckte ihren faschistischen Charakter.

Als 1924 angesichts antifaschistischer Proteste gegen die Ermordung des Sozialistenführers Giacomo Matteotti der Sturz des Mussolini-Regimes drohte, rettete der Vatikan mit dem Industriellenverband Confindustria ihn davor. Sein Amtsblatt „Osservatore Romano“ lobte die „feste Haltung“ des Diktators und wandte sich gegen antifaschistische Aktionen;[14] wofür sich der „Duce“ 1929 mit dem Abschluss der Lateranverträge bedankte, die die 1870 beseitigte weltliche Herrschaft des Papstes wiederherstellten. In einer Rede an der katholischen Universität hob Pius XI. die persönlichen Verdienste des „Duce“ am Zustandekommen der Verträge ausdrücklich hervor und nannte ihn „einen Mann, mit dem uns die Vorsehung zusammenführte“.[15] Ausdrücklich lobte er, „der Name Mussolinis wird in goldenen Buchstaben in die Geschichte der katholischen Kirche eingetragen“.

Zu einem wunderbaren Duce, der das Kreuz Christi in alle Welt trägt“

Nach der kolonialen Eroberung Äthiopiens 1935/36, bei der 275.000 Einwohner meist durch Giftgaseinsatz umgebracht wurden, würdigte der römische Klerus Mussolini als „einen wunderbaren Duce, der das Kreuz Christi in alle Welt trägt“. Der Mailänder Kardinal Ildefonso Schuster feierte im Dom der Stadt  die Heldentaten des  italienischen Heeres, das in seiner Pflichterfüllung das „Licht der Zivilisation nach Äthiopien getragen“, einen „Evangelisationsfeldzug“ geführt und „ein Werk der christlichen Zivilisation zum Wohle der äthiopischen Barbaren“ vollbracht habe. Durch das Werk des „Duce“ habe „Gott vom Himmel geantwortet“.

Als nach dem Abzug der Internationalen Brigaden es den spanischen Faschisten, darunter italienische Verbände, am 28. März 1939 gelang, in Madrid einzumarschieren, stellte sich Pius XII., der am 2. März gerade sein Pontifikat angetreten hatte, wie sein Vorgänger an die Seite des Faschismus und übermittelte Franco eine Botschaft, in der es hieß: „Die von Gott als wichtigster Diener der Evangelisation der Neuen Welt und als uneinnehmbares Bollwerk des katholischen Glaubens auserwählte Nation hat soeben den Anhängern des materialistischen Atheismus unseres Jahrhunderts den erhabensten Beweis dafür geliefert, dass über allen Dingen die ewigen Werte der Religion und des Geistes stehen.“ [16]  Nach dem Sturz Mussolinis im Juli 1943 ging es dem Vatikan mit den Palastverschwörern darum, sich „von Mussolini und die Deutschfreundlichen zu befreien, das System aber zu erhalten“ [17]

Zur „Rattenlinie“

Bei Kriegsende 1945 fügte der Vatikan seiner Politik des Bündnisses mit dem Faschismus eine neue Seite hinzu. Für Tausende und Abertausende führende Faschisten organisierte er unter Pius XII. die Flucht über die im Geheimdienstjargon „Rattenlinie“ genannte Route nach Südamerika oder beteiligte sich aktiv daran. Dazu gehörten neben international gesuchten Kriegsverbrechern wie Adolf Eichmann, der KZ-Arzt von Auschwitz Josef Mengele, der Kommandant der Vernichtungslager von Sobibor und Treblinka, Franz Sprangl, und der des Ghettos in Przemysl, Josef Schwammberger, der Führer der Ustascha-Faschisten und Chef des unter der Okkupation Hitlerdeutschlands proklamierten „Unabhängigen Staates Kroatien“, Ante Pavelić, mit fast seinem gesamten Kabinett.

Wie der argentinische Historiker Uki Goni in seinem Buch „Odessa“ [18] recherchierte, waren wenigstens 300 der ausgeschleusten Faschisten bereits in Europa abgeurteilte oder angeklagte Kriegsverbrecher. Im Staatssekretariat des Vatikan leitete die Rettungsaktion  Giovanni Battista Montini, der spätere Papst Paul VI.. Zu seinen Helfern gehörte der SS-Sturmbannführer Karl Hass, der zusammen mit dem SS-Chef von Rom, Herbert Kappler, und dessen Stellvertreter Erich Priebke u. a. an der Ermordung der 335 Geiseln im März 1944 in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom beteiligt war. Laut 1975 in Washington freigegebenen Aufzeichnungen von Beamten des Finanzministeriums  hat der Vatikan bei Kriegsende vom faschistischen Ustascha-Regime in Kroatien Gold im Werte von 250 Millionen Schweizer Franken „in Verwahrung“ genommen. Die 250 Millionen stammten aus dem Vermögen von insgesamt 350 Millionen Schweizer Franken, von mehreren Hunderttausend Serben, Juden, Sinti und Roma sowie oppositionellen Kroaten, die das Ustascha-Regime von 1941 bis 1945 umbrachte. Battista Montini hatte während der Rettungsaktionen für die Ustascha-Faschisten mit dem Pavelić-Vertrauten Krunoslav Draganović im Kloster San Girolamo in Rom extra für diese eine „kroatische Sektion“ gebildet.[19]

Massenweise Kommunisten und Sozialisten exkommuniziert

Mit Ausnahme von Johannes XXIII. und Franziskus standen Pius XII. und alle seine Nachfolger grundsätzlich an der Seite der faschistischen Regimes der italienischen Nachkriegszeit, die auch mit der wiedergegründeten Mussolinipartei Movimento Sociale Italiano (MSI) paktierten. Pius XII. ließ „zur Kontrolle der innenpolitischen Entwicklung und des Kampfes gegen den Kommunismus in Italien“ im Vatikan ein Sonderbüro bilden, das Batista Montini leitete. Zu den im April 1948 anstehenden ersten Parlamentswahlen nach Kriegsende fürchteten die USA und die italienischen Rechtskräfte einen Wahlsieg der auf einer Einheitsliste antretenden Kommunisten und Sozialisten. Erzbischof Flannally hetzte in Anwesenheit von Kardinal Francis Spellmann in der St. Patrick’s Cathedral von New York: „Das Mittelmeer ist ein christliches Meer, das nicht durch den atheistischen Kommunismus mit seiner tödlichen Faust rot gefärbt werden darf“. Pius XII. rief öffentlich auf, die Democrazia Cristiana (DC) zu wählen. Durch einen Erlass des Heiligen Officiums ließ er massenweise Kommunisten und Sozialisten exkommunizieren, um von der Wahl der Arbeiterparteien abzuschrecken.

Die von den USA finanzierte klerikale „Azione Cattolica“ bildete 20.000 Bürgerkomitees, die in hasserfüllten  Losungen verkündeten, bei der Wahl gehe es um Christ oder Antichrist, Gläubige oder Gottlose, Rom oder Moskau. Der Komitee-Vorsitzende, Luigi Gedda, forderte, die Mussolini-Nachfolgerpartei MSI in ein „nationales Bündnis“ einzuschließen. Der Faschismus, so Gedda, sei lediglich „ein Exzess großherziger und gesunder Ideale von Patriotismus und Autoritätsgläubigkeit“ gewesen. Die Pfarrer schrien von den Kanzeln herab von „mongolischen Lagern im Schatten des Kolosseums“. Der General der Jesuiten, Giovanni Batista Jansen, setzte sich dafür ein, die Wahlkampagne des MSI auch finanziell zu unterstützen. Im Ergebnis der vom Vatikan aktiv unterstützten Hetzkampagne erreichte die DC 48,5 %, während Kommunisten und Sozialisten dennoch 37 % errangen.

Der einflussreiche Kleriker Don Luigi Sturzo, 1919 Gründer der katholischen Volkspartei, rief 1952 die DC und die anderen bürgerlichen Parteien auf, zusammen mit dem MSI und den Monarchisten einen Einheitsblock gegen die „rote Machtübernahme“ zu bilden.[20]  Als sich mit Beginn der 50er Jahre die Forderungen verstärkten, das MSI als Nachfolger der Mussolinipartei zu verbieten, wandten sich Vatikankreise dagegen. „Civiltà Catolica“ verurteilte es am 18. März 1953, „die 20 Jahre Faschismus als völlig negativ zu bewerten“ und nannte das „eine Verleumdung des Vaterlandes“.  Soviel dazu, wie Leo XIV. die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Italien unter dem Faschismus Mussolinis als  „stets von aufrichtiger Freundschaft und wirksamer gegenseitiger Zusammenarbeit geprägt“ sieht und sie „eine glückliche Verbindung“ nennt, die ihre Wurzeln in der Geschichte und in der langen religiösen und kulturellen Tradition dieses Landes habe. Ich schließe die ohnehin unvollständige Liste ab und halte fest, dass die Erklärung des Papstes gegenüber Staatspräsident Mattarella, der im Grunde die Regierung Giorgia Melonis toleriert, auch eine entsprechende wohlwollende Zustimmung seinerseits zu ihr ist. Dabei hat der führende kommunistische Philosoph Luciano Canfora erst unlängst an Hand der Herkunft ihrer Partei der „Brüder Italiens“ aus der im Dezember 1946 von dem Staatssekretär Mussolinis, Giorgio Almirante, wiedergegründeten Nachfolgeorganisation der faschistischen Partei des „Duce“ in Gestalt des Movimento Sociale Italiano (MSI) klar aufgezeigt, dass Meloni zu dessen Erben gehört, die „nicht abschwören“. [21]

Zur Teilnahme am Bürgerkrieg in Spanien an der Seite Francos gegen die Volksfrontregierung

Am 16. Februar 1936 errang die Volksfront aus Kommunisten, Sozialisten, der Gewerkschaft Union General del Trabajo und Linksrepublikanern bei den Corteswahlen in Spanien einen überwältigenden Sieg. Sie belegte 278 der insgesamt 473 Sitze. Ihre Regierung unter dem republikanischen Schriftsteller Azaña y Díaz (ab Mai Präsident) leitete bürgerlich-demokratische Reformen ein, garantierte die Autonomie Kataloniens und der Basken. Am 17. Juli 1936 putschte General Sanjurjo von der Kolonie Spanisch Marokko aus gegen die rechtmäßig gewählte Regierung. Nachdem er mit einem Flugzeug abgestürzt war, riss Francisco Franco die Führung an sich. Die ersten Opfer des Mordterrors waren loyale Offiziere, vor allem der Luftwaffe, die sich widersetzten. Sie wurden „von den Meuterern kurzerhand erschossen. Darunter die Generäle Batet, Molero, Nuñez de Prado, Romerales, Admiral Azarola“.[22]

Der klerikalfaschistische Staatsstreich brach jedoch auf dem Festland in den meisten Garnisonsstädten am Widerstand der Volkskräfte zusammen. Sein Scheitern wurde durch die sofortige bewaffnete Intervention Hitlerdeutschlands und Mussoliniitaliens verhindert. Mit 20 Militärtransportern Ju 52 der Luftwaffe Görings wurden als erstes 15.000 Mann Elitetruppen der Putschisten von Marokko nach Cadiz eingeflogen. Die sofortige Unterstützung zeigte, dass die Putschisten sich bereits vor Beginn mit Berlin und Rom abgesprochen hatten. Als nächstes schickte Hitler eine 45.000 Mann starke „Legion Condor“ nach Spanien. Ihr wichtigster Verband waren die Geschwader der Luftwaffe. Nach Kriegsende wurden 26.116 „Condor-Legionäre“ mit Spanienkreuzen in Gold, Silber oder Bronze ausgezeichnet. Pius XI.,  den Franco als Ersten über seinen Staatsstreich informiert hatte, wandte sich zur Unterstützung der Putschisten an die Weltöffentlichkeit und  arbeitete mit Mussolini und Hitler zusammen.[23] Die spanische Jesuitenzeitschrift „Civiltà Cattolica“ schrieb am 2, Januar 1937 , in dem faschistischen Putsch habe sich „eine hundertmal gesegnete und ruhmreiche Haltung“ gezeigt. Aktiv unterstützte das Opus Dei (Werk Gottes) der Kurie das Franco-Regime. Acht seiner Mitglieder traten in die Regierung des „Caudillo“ ein. So wurde die katholische Kirche zu einer seiner wichtigsten Stützen. Der sie beherrschende Klerus jubelte dem Caudillo zu und begrüße ihn mit dem „Führergruß“ Hitlers und Mussolinis.

Vom 6. bis 12. Juni 2026 besuchte Leo XIV. Spanien. Er tat so, als sei das alles gar nicht gewesen und verkündete auf seinen  Messen seine unverbindliche Botschaft von Dialog und Toleranz statt Waffen und Mauern, von Menschenwürde statt Ausgrenzung und Hass. Zutreffend enthüllte die Spanierin Carmela Negrete, dass das Erbe des Nationalkatholizismus der Franco-Diktatur in Spanien noch immer präsent ist, auch wenn Kirche und Krone bemüht sind, es anders aussehen zu lassen.[24] Dazu trug Leo XIV. mit seinem Besuch bei, und es hätte für jeden ehrlichen Katholiken zutiefst beschämend sein müssen,  dass der Papst mit keinem Wort sich für die Beteiligung der Kurie an der Niederschlagung der Volksfront-Regierung und seiner Würdigung durch Pius XII. auch nur entschuldigte. Im Gegenteil hatte er vor Beginn der Reise demonstrativ 70 Priester, die auf der Seite der Franco-Regierung standen und teilweise Opfer religiöser Übergriffe wurden, seliggesprochen. [25]

Spanien war seit 1480 als staatlich-kirchliche Institution der Königsgewalt Zentrum der im Rahmen der Inquisition verfolgten und barbarisch unterdrückten, ausgerotteten oder vertriebenen Mauren, Juden und anderer Minderheiten. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts fielen in diesem Land 300.000 Menschen dem Terror der katholischen Kirche zum Opfer, davon über 30.000 dem Autodafe, der gefürchteten Ketzerverbrennung. Auch das war für diesen Papst kein Anlass, sich dafür zu entschuldigen. Er setzt damit, um es noch einmal hervorzuheben, die  von  „Vatikan News“ beschworene  „Tradition“ fort, der bereits der deutsche Papst Benedikt XVI. gehuldigt hatte, als er am 28. Oktober  2007 gleich 498 der Kreuzritter Francos selig sprach. Nicht zuletzt verdeutlichte Leo XIV. ein weiteres Mal, auf welcher Seite er  steht. Und diese Haltung ist Ergebnis seiner „durchdachten und sorgfältigen Art“, mit der er sich „an der Tradition“ orientiert.

Versöhnung mit den Piusbrüdern

Eine weitere Operation war im Februar 2026 der Versuch, sich mit den Piusbrüdern auszusöhnen, um mit ihnen die konservativ-reaktionäre Basis seines Wirkens als „Einheitspapst“ auszubauen. Wie die „Vatikan News“ am 12. des Monats berichteten, fand an diesem Tag im vatikanischen Dikasterium für die Glaubenslehre ein Gespräch des Glaubens-Präfekten Kardinal Victor Manuel Fernandez mit dem Generaloberen der Pius-Bruderschaft, Don Davide Pagliarani, statt, in dem die Aufnahme eines Dialogs mit ihr vereinbart wurde. Es war von einem „freundlichen und aufrichtigen Treffen“ die Rede, dem der Papst zugestimmt habe.

Die von Erzbischof Lefebvre 1970 gegründete, nach Pius X. benannte Brüderschaft steht mit ihrem Hass auf Juden, Muslime, Homosexuelle und alle irgendwie Abtrünnigen auf dem äußersten rechten Flügel des Katholizismus. Lefebvre hatte sich auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962/63) der von Johannes XXIII. angestrebten vorsichtigen Anpassung der katholischen Kirche an neuzeitliche Entwicklungen widersetzt, vor allem dem Dekret „Über die Religionsfreiheit“, einer Absage an Antijudaismus und Antisemitismus, seine Zustimmung verweigert.[26] Lefebvre sah diese Beschlüsse als eine Folge satanischen Einflusses auf die Kirche. 1988 weihte er ohne päpstliche Zustimmung vier Bischöfe, darunter den Holocaustleugner Richard Williamson, worauf der polnische Papst Johannes Paul II. nicht umhinkam, ihn und die Geweihten zu exkommunizieren.

Den deutschen Ratzinger-Papst Benedikt XVI. hatte das nicht abgehalten, nach seinem Amtsantritt 2005, am 24. Januar 2009, die Exkommunikation  zurückzunehmen, um die Betroffenen, wie er erklärte, wieder in die „volle Gemeinschaft“ der Kirche einzugliedern und ein „Zeichen zur Förderung der Einheit der Kirche“ zu setzen. Noch vor der Anerkennung durch Benedikt hatte die Pius-Bruderschaft im Dezember 2008 in einem Rundbrief ihres deutschen Priesters Franz Schmidberger (1982-1994 zweiter Generaloberer) an alle 27 deutschen Bischöfe wiederholt, dass „die Juden unserer Tage“ des „Gottesmordes mitschuldig“ sind. Bischof Williamson hatte seine Leugnung des Holocaust bekräftigt: „Kein einziger Jude ist in einer Gaskammer umgekommen“ (Spiegel 4/2009). Der  damalige, 2018 verstorbene, Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, hatte auf die Verwurzelung der Piusbrüder, u. a. mit ihrer Tradition der „Action francaise“, von der Viele 1940 das Pétain-Regime (Vichy-Regierung) und die Besatzungsmacht Hitlerdeutschlands unterstützten, verwiesen. In dieser Tradition pflegte Lefebvre auch Beziehungen zum weiter bzw. wiedererstehenden Faschismus der Nachkriegszeit, so zu Frankreichs damaligen Front National-Chef Jean Marie Le Pen, für dessen Neonazis der damalige Generalobere der Bruderschaft, Bernard Fellay, Gottesdienste zelebrierte. Die Vatikaninsider Gordon Thomas und Max Morgan-Witts nannten 1984 in ihrem Buch „Der Vatikan. Mechanismen kirchlicher Macht” (Zürich 1984), das einen „religiösen Faschismus Lefebvrescher Prägung“.

Laut „Vatikan News“ seien einige Punkte geklärt worden. Dabei könnte eine Rolle gespielt haben, dass Hauptbeteiligte inzwischen verstorben sind – Lefebrve 1991, Holocaustleugner Williamson 2005, und Fellay 2019 nicht wieder gewählt wurde. Das einzige Zugeständnis war bisher jedoch, dass Williamson untersagt worden war, seine Haltung zum Holocaust weiter zu verbreiten (eine Zurücknahme war nicht gefordert worden). Als er sich daran nicht hielt, wurde er 2012 aus dem Orden ausgeschlossen. Don Pagliarani erklärte 2022, eine Anerkennung des zweiten Vatikanischen Konzils werde „weiter ausgeschlossen”. Wie es mit dem Dialog weiter gehen sollte, bleibt zunächst offen.

Dann erteilten die Piusbrüder am 1. Juli 2026 mit der Weihe von vier Bischöfen Leo eine Abfuhr. Ihm  blieb nichts anderes übrig, als die neu geweihten Bischöfe Pascal Schreiber, Michael Goldade, Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier „ipso facto“, „latae sententiae“ zu exkommunizieren, weil sie „einen Akt schismatischer Natur“ vollzogen hatten, [27]nämlich die „bischöfliche Weihe von vier Presbytern ohne päpstliches Mandat und gegen den Willen des Papstes“, hieß es in dem Dekret, das von Kardinal Víctor Manuel Fernández, Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, unterzeichnet wurde.21 Alle Gläubigen wurden ermahnt, in Gemeinschaft mit dem Römischen Papst, mit den mit ihm in Gemeinschaft stehenden Bischöfen und mit der ganzen Kirche standhaft zu bleiben und sich der Teilnahme an den Feierlichkeiten und Aktivitäten zu enthalten, die von der vorgenannten Priesterbruderschaft des Heiligen Pius X. veranstaltet werden“, so das Dikasterium für die Glaubenslehre. Leo selbst hat sich dazu bisher nicht geäußert. Feststehen dürfte, dass er an seinem Ziel, der Aussöhnung mit den Piusbrüdern und ihrer Rückkehr in seine „Einheitskirche“ festhalten wird.

An die Seite der Bandera-Faschisten

Leo XIV. interessiert auch nicht, dass die heutige NAT0 vor den Grenzen Russlands steht, ganz zu schweigen davon, dass er die Auflösung der NAT0 nicht für erforderlich hält. Er hat nichts dagegen einzuwenden, dass die Ukraine seit 2014 unter aktiver Teilnahme von Neofaschisten regiert wird, dort die 2. Panzerdivision der SS „Das Reich“, die schrecklichste Verbrecherorganisation der Nazis im Zweiten Weltkrieg, verehrt wird, das bekannte  faschistische „Asow“-Regiment offen erklärte, sein Ziel sei „der Schutz der weißen Rasse“ durch die Schaffung eines Systems der „antidemokratischen und antikapitalistischen Nationalkratie“ und die Ausrottung des „internationalen zionistischen Spekulationskapitals“. Präsident Wolodimir Zelenskij persönlich ehrte den Asow-Kommandanten für „sein Heldentum“ bei der Verteidigung von Mariupol. Während Leo als Kardinal Russlands Krieg, in dem es auch um die Entnazifizierung der Ukraine geht,[28] als eine „echte Invasion“, die imperialistischer Natur sei und bei der Russland versuche, aus Machtgründen „Territorium zu erobern“ bezeichnete, wurde nicht bekannt, dass er bei der zweimaligen Privataudienz für den ukrainischen Präsidenten diese Fragen angesprochen hätte, er im Gegenteil offen Partei für ihn ergriff.

 Will Leo XIV. Pius XII. selig sprechen?

In diesem Kontext wachsen Befürchtungen, dass Leo XIV. den faschistenfreundlichen Pius XII. seligsprechen will, was bekanntlich die Vorstufe zur Heiligsprechung ist. Hier gibt es Zeichen, die im Allgemeinen nur Insidern auffallen, und selbst ihnen erst im Nachhinein. So hatte Prevost, wie bereits erwähnt, zu seiner Amtseinführung neben Vertretern der Ostkirchen persönlich den Oberrabbiner der Jüdischen Gemeinde Roms, Riccardo Di Segni, eingeladen und dazu ausdrücklich mitgeteilt, dass er die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Zusammenarbeit mit dem jüdischen Volk im Geiste des „Nostra Aetate“ – der Erklärung von 1965 zur Haltung der katholischen Kirche zu nichtchristlichen Religionen – einhalten werde. Das jüdische Oberhaupt in Rom war dann der Einladung mit 15 Vertretern der Gemeinde gefolgt.

Drei Wochen später folgte ein Ereignis, das zum Nachdenken führen musste. Während eines Besuchs in der päpstlichen Resistenz Castel Gandolfo machte Leo XIV. am Kryptoportikus – den archäologischen Überresten der Audienzhalle des Kaisers Domitian – Halt  und sagte, er wolle an das mutige Handeln von Papst Pius XII. erinnern, der 1944 im Zweiten Weltkrieg über 12.000 Menschen vor der Bombardierung in den Castelli Romani Zuflucht gewährt habe.

Das sollte offensichtlich vergessen machen, dass Pius XII. die ihm von dem späteren Papst Johannes XXIII., damals als Kardinal Roncalli Nuntius (Botschafter) des Vatikans in Istanbul, im Jahr 1944 übermittelten Informationen über die Greuel in Auschwitz ignorierte. Roncalli hatte diese Informationen von dem Emissär der Jewish Agency, Haim Barlas, erhalten. Sie stammten von zwei Juden, die im April 1944 aus Auschwitz fliehen konnten, und wurden später als „Protokolle von Auschwitz“ bekannt. Aus ihnen ging klar der Zweck der Lager in Auschwitz hervor – die massenhafte Vernichtung der Juden. Roncalli schickte unverzüglich eine Zusammenfassung des Berichts per Telegramm nach Rom. Es wird in einem Briefwechsel erwähnt, den der Nuntius mit Barlas führte, der in dessen privatem Nachlass in Israel gefunden wurde.

Unter der Überschrift „Ein ignoriertes Telegramm“ berichtete die spanische Geschichtszeitschrift „Historia y Vida“ in ihrer Nr. 467/2007 darüber und hielt fest, dass die bis heute verbreitete Version des Vatikans, er habe „erst im Oktober 1944“ über genauere Details zu Auschwitz verfügt, eine Lüge ist. Mit der lakonischen Begründung, die in den vatikanischen Archiven gelagerte Korrespondenz Roncallis sei (man beachte, nach über einem halben Jahrhundert) noch nicht „deklassifiziert“ worden, hatte es der Vatikan  abgelehnt, zu seinem damaligen Verschweigen der Information Stellung  zu nehmen. Zu Giovanni Ventitre (Johannes XXIII.) aber, hielt Hans Kühner fest, dass er in Israel „als Retter von wohl hunderttausend Juden während der Hitlerdiktatur unvergesslich geblieben ist“. Dafür wird seiner in Jerusalem auf der Gedenkmauer Yad Vashem gedacht. Es ist eine Ehrung, die Pius XII., obwohl es ein öffentlich bekanntes Anliegen des Vatikans ist, verwehrt wird. [29]

Das ließ die Betonung der Einhaltung von „Nostra Aetate“ im Zusammenhang damit sehen, Israel dafür zu gewinnen, einer Würdigung von Pius XII. in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem als Schritt zu seiner Seligsprechung zuzustimmen.

Am 22. September  2025 lehnte es der Papst laut „Vatikan News“ ab, sich zum Genozid Israels in  Gaza zu äußern, womit er  sich  als Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken gegen die vom Internationalen Strafgerichtshof erlassenen Haftbefehle gegen den israelischen Premier Netanjahu und Ex-Verteidigungsminister Gallant, unter anderem wegenVölkermord und mutmaßlicher Kriegsverbrechen, stellte. Auch das sahen Vatikankenner als ein weiteres Indiz, Israel für eine Seligsprechung Pius XII. zu gewinnen.

Leo XIII.: Namensgeber und Leitbild

Nach der Einnahme Roms am 20. September 1870 wurde die Stadt in das 1861 gebildete Königreich Italien eingegliedert und 1871 zu seiner Hauptstadt. Italien beseitigte die weltliche Herrschaft des Papstes und säkularisierte große Teile seines Besitzes. Dagegen protestierte Pius IX. auf das Schärfste, schwor dem bürgerlichen Staat ewige Feindschaft und belegte alle am „Raub des Patrimonium Petri“ beteiligten – das waren der König, seine Regierung und alle die ihnen irgendwie dienten – mit der höchsten ihm zur Verfügung stehenden Strafe, der Exkommunizierung.

Im Mai 1871 erließ die italienische Regierung ein Garantiegesetz, in dem die geistliche Unabhängigkeit des Papstes und seine persönliche Souveränität mit aktivem und passivem Gesandtschaftsrecht anerkannt wurde. Das Gebiet des Vatikan, der Lateran und der Landsitz Castel Gandolfo verblieben ihm als exterritorialer Besitz. Obendrein gestand ihm Italien eine jährliche Dotation in Höhe seiner bisherigen Einnahmen zu. Nach offizieller Darstellung lehnte der Papst ab. Sein unermessliches finanzielles Vermögen ermöglichte ihm, den Restkirchenstaat zu finanzieren. Zusätzlich sicherte ihm ein neu eingeführter Spendenfond, der „Peterspfennig“, große Einnahmen. Dennoch protestierte Pius IX. erneut, erklärte sich zum „Gefangenen im Vatikan“ und erneuerte die Exkommunizierung aller am „Raub des Patrimonium Petri“ Beteiligten.

Zwar nahm sein Nachfolger Leo XIII. die Verdammung offiziell nicht zurück, vollzog aber fast auf der Stelle stillschweigend einen Frontwechsel. Mit dem Gespür, das aus dem fast Zweitausendjährigen Hass gegen alles Fortschrittliche erwuchs, hatte der Klerus die mit der  1876 durch die Gründung der sozialistischen Arbeiterföderation in Italien entstandene Gefahr erkannt und reagierte. Der Hauptfeind war nunmehr die marxistische Arbeiterbewegung und alle, die sich an ihre Seite stellten oder auch nur mit ihr sympathisierten, darunter selbst Reformer in den eigenen Reihen.

Die Kurie betrat dabei kein Neuland. Sie hatte die kommunistische Ideologie schon in ihrer Entstehungszeit verfolgt, verflucht und verdammt. Bereits bevor Marx und Engels 1847 das „Kommunistische Manifest“ veröffentlichten, hatte der Heilige Stuhl gegen die utopischen Sozialisten Front gemacht. 1846 wurde der Kommunismus in der Enzyklika „Qui Pluribus“ ausdrücklich zu den „monströsen Irrtümern“ gerechnet. 1864 rangierte er im Syllabus des Papstes mit dem Liberalismus, dem Sozialismus und der Freimaurerei unter den „Pestilenzen“.

Nach dem Machtantritt der Großbourgeoisie bezog die Kurie damit Position für den Kapitalismus als von Gott gewollter Ordnung. Das hieß nicht, dass der Feudalismus aufgegeben wurde. Dort wo seine Überreste in Form von Monarchien oder auch nur deren Überbleibseln, aber auch politischen Strömungen und Sammelbecken reaktionärer Kreise weiter existieren, hatten und haben sie noch heute die volle Unterstützung aus Rom. Die Hinwendung zum bürgerlichen Staat setzte als erste gegenüber Deutschland und noch zu Lebzeiten Pius IX. ein. Der Kurswechsel gegenüber dem deutschen Kaiserreich fiel leichter, da die staatliche Einheit im Gegensatz zu Italien unter der Hegemonie Bismarcks und der Junkerkaste erfolgt war und es dort keine Säkularisierungen päpstlichen Besitzes gegeben hatte. Nach dem Kulturkampf, nach den Mai-Gesetzen und der antiklerikalen Periode (1873-1875) versöhnte die Notwendigkeit, einen Damm gegen die Sozialdemokratie zu errichten, Bismarck und den Papst. Die endgültige Wende erfolgte mit dem 1878 an den Erzbischof von Köln gerichteten berüchtigten Brief, in dem Leo XIII. dem Staat des Kapitals nicht nur in Italien, sondern ebenso in Deutschland und Frankreich die Unterstützung der Kirche „zugunsten der durch die aufrührerischen und unmoralischen Doktrinen – den Marxismus – gefährdeten sozialen und politischen Ordnung“ zusicherte.[30]

1891 erließ Leo XIII. die Enzyklika rerum novarum, mit der die Grundlagen der katholischen Soziallehre bekräftigt und vertieft wurden.[31] Sie forderte, „der Staat muss sich zum unerbittlichen Hüter des Privateigentums machen“ und ihm durch „die öffentlichen Gesetze (…) Schirm und Schutz bieten“. Wer dessen Aufhebung fordere, müsse „im Namen der Moral, deren Fundament er zerstört, als außerhalb des Gesetzes stehend erklärt werden“. In scharfer Form machte rerum novarum Front gegen die sozialistischen Arbeiterorganisationen und lieferte bereits die Begründung für das später auch in Italien erlassene Sozialistengesetz, wenn es hieß: „Sollte eine Vereinigung einen Zweck verfolgen, der in flagrantem Gegensatz zur Rechtschaffenheit, zur Gerechtigkeit und zur Sicherheit des Staates steht, dann haben die öffentlichen Gewalten das Recht, deren Bildung zu verhindern oder, falls sie schon bestehen, sie aufzulösen.“ Die Enzyklika wandte sich gegen „jede Form des Sozialismus“, der als „Pest“ gebrandmarkt wurde, und forderte: „Wenn die Massen sich von üblen Doktrinen hinreißen lassen, darf der Staat nicht zögern, mit starker Hand zuzufassen“. Ignazio Silone charakterisierte die päpstliche Schrift als „konterrevolutionäre Waffe im Schoße der Massen“.

Leo XIII. kleidete seine rigorosen Forderungen nach Zerschlagung der revolutionären Arbeiterbewegung in kritische Bemerkungen am wachsenden Reichtum des Kapitals und heuchelte Verständnis für die Empörung der Arbeiter. So schrieb er, „dass Kapital ist in den Händen einer geringen Zahl angehäuft, während die große Menge verarmt; es wächst in den Arbeitern das Selbstbewusstsein, ihre Organisation erstarkt; dazu gesellt sich der Niedergang der Sitten. Dies alles hat den sozialen Konflikt wachgerufen, vor welchem wir stehen.“ Derartige Demagogie verhalf ihm, sich in der Kirchengeschichte als „Arbeiterpapst“ feiern zu lassen.  Der Vatikan nahm für sich in Anspruch, durch rerum novarum hätten „die deutschen Katholiken zur Zeit des Kaiserreiches führenden Anteil am Aufbau und Ausbau der Sozialpolitik“ genommen.[32]

Die marxistische  Arbeiterbewegung übte einen großen Einfluss auf das geistige Leben aus und befruchtete auch das Wirken liberaler Persönlichkeiten, die sich gegen die Verfolgung jeglichen Fortschrittsdenkens durch den Klerus wandten und Zustimmung seitens der Sozialisten erhielten. Gegen Abweichler in den eigenen Reihen ging die Kurie in inquisitorischer Weise vor. Im Juli 1907 erließ Pius X. den Syllabus „Lamentabile sane exitu“, der ohne Namensnennung 65 Thesen des Hauptes der Modernisten, des großen französischen Theologen und Denkers Alfred Loisy, verurteilte. Zwei Monate nach dem Syllabus folgte die Antimodernisten-Enzyklika „Pascendi Dominici Gregis“, die ein Bild völliger Dämonisierung nicht konformer theologischer Denker darstellte. Die sogenannten Reformkatholiken wandten sich gegen Neuscholastik und Ultramontanismus, lehnten den religiösen Totalitarismus ab und suchten eine Einbeziehung der modernen Kultur und Wissenschaft in ihre Lehre. Einer ihrer herausragendsten Vertreter war der deutsche katholische Theologe, Professor für christliche Kunstgeschichte und vergleichende Religionswissenschaft in Würzburg, Hermann Schell. Seine Schrift „Der Katholizismus als Princip des Fortschritts“ (1897) wurde sofort nach Erscheinen auf den Index verbannt. Mit einem Motu proprio bedrohte der Papst alle mit der Exkommunikation, die es wagen sollten, der Enzyklika zu widersprechen. Zur Durchsetzung bedingungslosen Gehorsams schuf der Heilige Stuhl mit dem Sodalitium Pianum einen eigenen Geheimdienst zur Überwachung und Verfolgung von Verstößen gegen die päpstlichen Erlasse. An die Spitze seiner Geheimpolizei stellte Pius X. seinen Staatssekretär, Prälat Umberto Benigni, der später Mussolini Spitzeldienste leistete.

Gegen die Sozialistische Partei (ISP), ihre Anhänger und ihre Gewerkschaften schuf die katholische Kirche ihre eigene Bewegung, deren Grundlage christliche Gewerkschaften bildeten. 1903 zählten sie in Italien 400.000 Mitglieder. Ein Kongress in Bologna betonte, dass ihre Aufgabe, obwohl sie sich nur aus proletarischen Elementen zusammensetzten, darin bestehe, dem Zusammenwirken von Arbeit und Kapital zu dienen. Um dem politischen Katholizismus eine Verankerung im Parteiensystem zu verschaffen und sowohl unter der katholischen Arbeiterbewegung als auch in kleinbürgerlichen Schichten ein Gegengewicht zur anwachsenden ISP zu bilden, gründete der Priester Don Sturzo im Auftrag des Vatikans 1919 die katholische Volkspartei.

Magnifica humanitas – eine neue Heilslehre?

Ein Paukenschlag war am 25. Mai 2026 die Enzyklika Magnifica humanitas, in der Leo XIV. thematisiert, dass die letzten sechzig Jahre trotz aller Friedenswünsche und -erklärungen von Konflikten frappierender Grausamkeit geprägt gewesen seien und betonte, dass Krieg eine extrema ratio bleiben sollte, der strengen ethischen und rechtlichen Grenzen unterliegen und sich in jedem Fall innerhalb eines auf Frieden ausgerichteten politischen Horizonts bewegen sollte. Er ließ kaum eine Frage aus, führte das Wachstum der Rüstungsindustrie, die enge Verbindung zwischen wirtschaftlichen Interessen, politischen Entscheidungen und Militärapparat, den Konflikt als Quelle von Macht und Profit an, die Einbeziehung der KI, Cyberangriffe, den Atomwaffenverbotsvertrag, die Krise des multilateralen Systems, dass die für Kriegsverbrechen zuständigen Gerichte umgangen oder geschwächt werden bis zur Forderung, „um menschlich zu bleiben, müsse wir unser Zögern ablegen und Stellung beziehen. [33]

Zunächst fiel auf, dass der Papst das Dokument bereits am 15. Mai 2026 unterzeichnet hatte, dem 135. Jahrestag, an dem sein Namensgeber und Leitfigur Leo XIII. – wie bereits dargelegt – 1891 mit der Enzyklika Rerum Novarum die Grundfragen der katholischen Soziallehre bekräftigte. Vordergründig ging es auch damals um die Auswirkungen der industriellen Revolution, die zu einer verschärften Ausbeutung der Arbeiter führte, wogegen diese sich erfolgreich zur Wehr setzten.

Ein weiterer historischer Bezug war die vor 95 Jahren zum 40. Jahrestag von „rerum novarum“ am 15. Mai 1931 von Pius XI. erlassene Enzyklika „quadragesimo anno“, die gegenüber den Kommunisten „eine schonungslose Unterdrückung“ forderte und die Untätigkeit bestimmter Regierungen ihnen gegenüber scharf verurteilte. Unzweideutig brachte dieser Papst, der 1922 Mussolini an die Macht verholfen hatte, zum Ausdruck, dass die Rettung im Faschismus liege. Ignazio Silone nannte „quadragesimo anno“ ein „Manifest des katholischen Faschismus, der sich als Retter der kapitalistischen Zivilisation auf die Kandidatenliste setzt“. Auch wenn der heutige Leo diese Forderungen nicht in ihrer Radikalität übernimmt, behalten sie im Grunde, angesichts des Festhaltens der Kommunisten, nicht nur in Italien, am Sozialismus, ihre Gültigkeit, zumal eine Distanzierung von dieser Haltung nicht zu erkennen ist.

Magnifica Humanitas, „mit der sich Leo XIV. mit dem Thema künstliche Intelligenz auseinandersetzt“, war jedoch, wie das kommunistische Magazin „Contropiano“ einschätzte, ein verspätetes, wenn auch notwendiges Dokument. Der Papst betrete dieses Terrain indessen „zu einem Zeitpunkt, an dem die Sprachmodellierungsindustrie bereits eine globale Machtarchitektur gefestigt hat, die die Staaten nur schwer eindämmen können und die sie bereits nutzen, oft für Zwecke, die alles andere als philanthropisch sind“. Die Widersprüchlichkeit der Enzyklika zeige sich u. a. in dem radikalen Vorschlag, Daten „als Gemeingut“ zu behandeln, was die Grundlage des Geschäftsmodells in Frage stellt, auf dem die gesamte Lieferkette für generative künstliche Intelligenz basiert. Dem stehe entgegen, dass zur Präsentation Experten für künstliche Intelligenz eingeladen wurden, darunter  prominente Vertreter von Anthropic, einem Unternehmen, das  bedeutende Handelsabkommen mit dem US-Verteidigungsministerium unterzeichnet und sich damit fest in der militärischen und nachrichtendienstlichen Lieferkette für künstliche Intelligenz etabliert hat. Leo müsse doch die Zusammenarbeit von Anthropic mit Palantir und den Einsatz des Claude-Modells in Venezuela (Entführung des rechtmäßig gewählten Präsidenten Maduro und seiner Ehefrau), im Iran und gegen Migranten in den USA kennen, was aber ausgeblendet werde.

Hier wie anderen Stellen wurden in der Haltung Leo XIV. erneut frappierende Diskrepanzen zwischen seinen Worten und der tatsächlichen Haltung offen sichtbar. In der angesprochenen Missachtung der internationalen Institutionen ist gerade er es, der, wie bereits angeführt, es ablehnte, den Völkermord Israels in Gaza zu verurteilen. Ihn interessiert auch nicht, dass die heutige NAT0, wie ebenfalls bereits angeführt, vor den Grenzen Russlands steht, er auch nichts dagegen einzuwenden hat, dass die Ukraine seit 2014 unter aktiver Teilnahme von Neofaschisten regiert wird.

Klare Distanz zu Franziskus

Auch in der Kurienpolitik ist die Distanz Leo XIV. zu seinem Vorgänger Franziskus offen sichtbar. Während Leo sich zu reaktionären Kirchentheoretikern und ihrer Gültigkeit in der Gegenwart bekennt, hatte Franziskus zwar am Zölibat festgehalten, aber in vielen Fragen mit reaktionären Traditionen gebrochen. Herausragend war, dass er am 28. September 2013 eine Arbeitsgruppe – offiziell als „Kardinalsrat“ und „ständiges Beratungsorgan“ – gebildet hatte, mit dem er, wie der Vatikankenner Marco Politi [34] schrieb, Voraussetzungen schaffen wollte, „das Modell einer absoluten Monarchie zu überwinden und der Kirche eine gemeinschaftliche Struktur zu geben, in der die Episkopate mitentscheiden können, welche Strategien die Kirche in der gegenwärtigen Epoche verfolgen soll und wie der Glaube in der heutigen Gesellschaft gelebt werden kann“.  Franziskus trat den reaktionären Kreisen im Klerus so gut es ging entgegen. Zuletzt hatte er am 24. Juni 2024 mit der Ernennung Kardinal Georg Gänsweins zum Apostolischen Nuntius für Litauen, Estland und Lettland – was faktisch einer Abschiebung gleichkam – nochmals ein Zeichen gesetzt. Zuvor hatte er ihn bereits ohne feste Aufgabe in dessen Heimatbistum Freiburg verbannt. Damit drängte Franziskus den Einfluss des klerikalfaschistischen Opus Dei (Gotteswerk) im Vatikan zurück. Benedikt XVI. hatte nicht nur Opus Dei gefördert, sondern auch Gänswein, eines der führenden Mitglieder der Vereinigung, zu seinem Privatsekretär ernannt.

Zum Frauendiakonat

Franziskus ließ 2024 erstmals Frauen zur Synode zu. Als die Synode in ihrem Abschlussdokument, das von ihm vorgeschlagene Frauendiakonat ablehnte, nannte er es „interpretationsoffen“ und äußerte, dass vieles sich ändern könne. Ausdrücklich erklärte er, das Frauendiakonat ist „nicht vom Tisch“ und es werde weiter diskutiert. Jeder Katholik und jede Katholikin könnten bei zehn synodalen Studiengruppen, die sich mit dem Frauendiakonat und anderen Fragen beschäftigen, Vorschläge einreichen. Die mittelalterliche Äbtissin und Gelehrte Hildegard von Bingen wollte er mit einem eigenen Gedenktag herausstellen.

Als Kardinal hatte Prevost sich dagegen zum Frauendiakonat skeptisch geäußert und gemeint, dass es „nicht unbedingt ein Problem löst, sondern vielleicht ein Neues schafft“. [35] Unter ihm als Papst ist von den durch Franziskus eingesetzten Studiengruppen keine Rede mehr. „Vatikan“ News teilte im November 2025 mit, dass Papst Leo XIV. zur Teilhabe von Frauen am Leben und an der Leitung der Kirche im vatikanischen Glaubensdikasterium eine eigene Studienkommission gebildet hat, die gegen Jahresende ein eigenes Dokument zum Thema Frauendiakonat vorlegen sollte. Während dazu bisher nichts  verlautete, bekannte sich Leo laut „Vatikan News“ auf einer am 26. Juni 2026 beginnenden „Beratung mit seinen Kardinälen hinter verschlossenen Türen im Vatikan“ zur  Kollegialität und Synodalität – auch was die Ausübung des päpstlichen Primats betreffe“. Er erklärte, die Autorität des Primats liege nämlich „bei demjenigen, der zuhört und nur deshalb führt; bei demjenigen, der lernt und nur deshalb lehrt“, und bat, die versammelten Kardinäle, ihm bei der Ausübung des Petrusdienstes Hilfe zu leisten, als einem, der „darum bittet“, nicht als jemand, „der befiehlt.“ Es war eine, verhalten ausgedrückt Zweideutigkeit, die offensichtlich seine im Gegensatz zu Franziskus auf der Synode bezogene ablehnende Haltung vergessen lassen sollte.

Laienprediger abgelehnt

Eine weitere Absage an ein Reformvorhaben Franziskus‘ war, dass Leo XIV. zuvor am 18. Juni 2026 die Zulassung von Laien zu Predigten zurückwies. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) Heiner Willmer hatte den Papst um eine Sondergenehmigung gebeten, Nicht-Geistlichen die Predigt anstelle eines Priesters oder Diakons zu genehmigen. Das zuständige vatikanische Dikasterium erklärte, eine solche Genehmigung sei nicht möglich, da von den geltenden Regeln nicht abgewichen werden dürfe. Bischof Willmer hatte einen so genannten Indult [36] beantragt, nachdem in Ausnahmefällen auch Laien – also Gemeindemitgliedern, insbesondere auch Frauen mit entsprechender Qualifikation hätte erlaubt werden können, die Predigt mit ausdrücklicher Genehmigung des zuständigen Bischofs in der Messe zu halten. Die Präsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp wies darauf hin, dass unter Franziskus der Synodale Weg  die Ausweitung der Laienpredigt 2023 mit überwältigender Mehrheit – über 90 % der Bischöfe stimmen ihm zu – beschlossen habe. Man werde von dem Vorhaben nicht abrücken. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sagte, ohne Leo XIV. zu erwähnen, mit der Absage beginne die „Zeit der römischen Enttäuschungen“, die Synodalen Blütenträume zerplatzten“. An der alltäglichen Praxis in katholischen Kirchengemeinden im deutschsprachigen Raum werde das Verbot allerdings nichts ändern, kündigte Schüller an. Dort predigten qualifizierte Laientheologen und -theologinnen mitunter durchaus. Die katholische Reformbewegung  „Wir sind Kirche“ nannte die Absage „völlig realitätsfern“, allein schon angesichts der dramatischen Überalterung der immer weniger werdenden Priester in Deutschland und des minimalen Nachwuchses würde die strikte Anwendung dieser Regel zu einem weiteren Verschleiß der noch vorhandenen Kleriker und zu einem Ausbluten von Pfarreien und Gemeinden führen.[37]

 Und so weiter

Am 3. Juli 2026 wurde Leo anlässlich des 250. Jahrestages der USA vom National Constitution Center in Philadelphia mit der Liberty Medal ausgezeichnet. Mit dieser Auszeichnung wurde, wie „Vatikan News“ hervorhob, sein Engagement für Religionsfreiheit , Gewissensfreiheit und Meinungsfreiheit weltweit gewürdigt. Der Hintergrund dürfte wohl eher gewesen sein, dass der USA-Präsident das Verhalten des Papstes honorierte, der den Überfall auf den Iran oder den auf Venezuela nicht verurteilt, nichts gegen die NATO einzuwenden oder das KI-Unternehmen Anthropic bedeutende Handelsabkommen mit dem US-Verteidigungsministerium unterzeichnet und sich damit fest in der militärischen und nachrichtendienstlichen Lieferkette für künstliche Intelligenz etablierte, einzuwenden hatte.

In der  Entwicklung der USA stellt für Leo XIV. die von Gott gegebene Würde des menschlichen Lebens einen zentralen Grundsatz dar, schrieb „Vatikan News“. Er betont, dass „jeder Mensch mit einem innewohnenden Wert ausgestattet ist, der Ehrfurcht, Schutz und Fürsorge erfordert“. Ein umfassendes Verständnis dieser Würde führe dazu, die „Bedeutung des Schutzes des menschlichen Lebens von seinem Beginn bei der Empfängnis bis zum natürlichen Tod anzuerkennen“. In diesem Geiste verweist er darauf, dass zu diesem Schutz des menschlichen Lebens von je her die Aufnahme von Einwanderern Teil der Geschichte der USA war. „In jeder Generation haben diejenigen, die auf der Suche nach Freiheit, Chancen und einem Ort der Zugehörigkeit hierhergekommen sind, dazu beigetragen, den Charakter der Nation zu prägen.“

Im Gegensatz zu diesem Bekenntnis stand, dass der Papst sich mit keinem Wort zu den mehr als 10.000 Migranten äußerte, die von den berüchtigten Einwanderungsbehörden (ICE) Ende Juni innerhalb von fünf Tagen festgenommen wurden. So war es auch bereits bei der Operation der ICE in Minnesota, bei der Bundesbeamte zwei US-Bürger getötet hatten, der Fall gewesen. Hinzu kamen die steigenden Festnahmezahlen, die darauf hindeuteten, dass Präsident Trump weiterhin entschlossen war, seine angekündigten Massenabschiebungen umzusetzen, wozu der Oberste Gerichtshof in den vergangenen Tagen seine Befugnisse zur Festlegung der Einwanderungspolitik auf Bundesebene ausgeweitet hatte.

Dr. Gerhard Feldbauer ist Mitglied des Beirats des Deutschen Freidenker-Verbandes
Vom Autor erschienen u.a.:
Benedikt XVI. und das Bündnis der Kurie mit Reaktion und Faschismus, Hannover 2008,
Der Heilige Vater. Benedikt XVI. – Ein Papst und seine Tradition. PapyRossa, Köln 2010.

Quellen und Anmerkungen

[1] Friedrich Engels: Zur Geschichte des Urchristentums, MEW Bd. 22, Berlin/DDR 1963, S.449.

[2]  Karlheinz Deschner: Der gefälschte Glaube“. München 1988,  S.  180 f.

[3]  Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichte des Christentums, Bd. I, Die Frühzeit,  Hamburg  1997, S. 159 ff., Bd. 2, Die ,Spätantike,  Hamburg1989, S. 459 ff.

[4]  „ANSA“ (italienische Nachrichtenagentur): Benedikt XVI.  Ansprache während der Generalaudienz am 6. Juni 2007.

[5] Der katholische Theologe und freie Fernsehjournalist Christian Modehn hat bereits 1977 bei ARD  über Gailott und die Befreiungstheologie einen Film herausgebracht.

[6] J. R. Grigulevic: Ketzer – Hexen Inquisitoren, Bd. 1, Berlin/DDR 1980, S. 96ff.

[7] Der römisch-katholische Orden der Dominikaner, auch Predigerorden, wurde im frühen 13. Jahrhundert von Dominikus gegründet. 1231 übertrug Papst Gregor IX. den Dominikanern die Leitung der 1183 zur Ketzerverfolgung geschaffenen Inquisition. Zu den prominentesten Opfern der Inquisition in Italien gehörte der Philosoph der Renaissance und Denker des aufsteigenden Bürgertums, Giordano Bruno, der am 17. Februar 1600 auf dem Campo de‘ Fiori, dem Platz der Blumen, in Rom dem Feuertod ausgeliefert wurde. Galileo Galilei, der glänzende Verteidiger der kopernikanischen Lehre, entging diesem Schicksal nur, weil er 1633 diesem Weltbild abschwor. Die restlichen neun Jahre seines Lebens verbrachte er im Gefängnis, in dem er 1642 erblindet verstarb.

[8] Karlheinz Deschner; Kriminalgeschichte des Christentums, Bad. 7, Hamburg 2002, S. 331.

[9] Grigulevic, S. 98.

[10]  Leppin ist Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, Mitglied de Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Mitglied der European Academy of Sciences and Arts. Er ist   Mitherausgeber der Zeitschrift für Kirchengeschichte, der Arbeiten zur Kirchen- und Theologiegeschichte, der Forschungen zur Kirchen- und Dogmengeschichte, der Studien zur christlichen Religions- und Kulturgeschichte und Hauptherausgeber der Reihe Spätmittelalter, Humanismus und Reformation. Von 2008 bis 2021 war er außerdem Wissenschaftlicher Leiter des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK).

[11] „ANSA“, 14, Oktober 2025.

[12] Antonio Gramsci: Zu Politik, Geschichte und Kultur, Frankfurt/Main  1986, S. 101 ff.

[13] Angelo Tasca: Der Aufstieg des Faschismus in Italien, Wien. O. J., S. 336 f.

[14] Dietmar Stübler: Geschichte Italiens, Berlin (West) 1987,  S. 124 ff.

[15]  Marco Palla: Mussolini e il Fascismo, Florenz 1993,  S. 60.

[16]  Stübler, S. 156.

[17] „Life“, 14. Dezember 1943.

[18] Fluchthilfe für NS-Kriegsverbrecher,  Berlin/Hamburg, 2006.

[19] Uli Weyland: Strafsache Vatikan, München 1994, S. 452 ff.

[20] I Giorni della Storia, Cronaca quotidiana dal 1815, Novarra 1991,  S. 555.

[21] Der untote Faschismus, Köln 2024.

[22] Fritz Teppich (Hg): Spaniens Himmel. Volksfront und Internationale Brigad,en gegen den Faschismus, Berlin 1996,  S. 49 ff.

[23] Deschner, Abermals krähte der Hahn,  Stuttgart 1962, S. 584.

[24] „Alles Show“, „junge Welt“, 10. Juni 26.

[25] „Der andere Leo“, „junge Welt“ 2, Mai 2026.

[26]  Es macht Papst Leo nichts aus,  dass sich das, gegen seine noch vor  der Amtseinführung dem   Oberrabbiner der Jüdischen Gemeinde Roms, Riccardo Di Segni,      ausdrücklich gegebene Zusicherung, dass er die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Zusammenarbeit mit dem jüdischen Volk im Geiste von  »Nostra Aetate« – der Erklärung  von 1965 zur Haltung der katholischen Kirche zu nichtchristlichen Religionen –  einhalten werde, richtete.

[27]  Das  erste große Schisma, die Spaltung der kirchlichen Einheit, fand 1054 mit der Aufteilung  in die  griechisch-orthodoxe  und römisch-katholische bzw, Ost und Westkirche, auch „großes morgenländisches Schisma genannt,  statt. Es war das Ende der unter Konstantin I. gebildeten römisch-katholischen Reichskirche. Es folgte das Schisma in der Westkirche in der Zeit der Gegenpäpste (1378-1417), auch als abendländisches Schisma bezeichnet.

[28] Lew Golinkin: Die westlichen Medien beschönigen das Asow-Bataillon. In: Online-Portal „The Nation“, New York, 13. Juni 2023.

[29] Hans Kühner: Lexikon der Päpste, S. Zürich 1977, S. 383.

[30] Zit. nach  Ignazio  Silone: Der Faschismus, Frankfurt/Main 1984 (Reprint der Erstausgabe von 1934),  S. 242 f.

[31] Enciclica rerum novarum, Edizione di Storia e Letteratura, Rom 1957.

[32] Texte zur katholischen Soziallehre. Kevelaer 1992, S. XI.

[33] Wortlaut in „Vatikan News“, 26. Mai 2026

[34] Marco Politi: Das Franziskus Komplott. Der einsame Papst und sein Kampf um die Kirche. Freiburg 2020, Herder.

 [36]  vorübergehende Befreiung von einer kirchengesetzlichen Verpflichtung.

[37] „Panorama“, Mailand, 24. 6. 2026.

 


Bild oben: Papst Leo XIV. bei einer Audienz für die Medien (12. Mai 2025)
Foto: Edgar Beltrán, The Pillar, CC BY-SA 4.0
Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=165144722