Buchlesung – Domenico Losurdo: „Die Deutschen“
Am Dienstag, 13. Oktober lesen wir um 18 Uhr im Kieztreff Wedding (Berlin, Stralsunder Str. 6, U 8 Bernauer Str.) weitere Auszüge aus
Domenico Losurdo, „Die Deutschen„, Kai Homilius Verlag, Berlin 2010;
Es ist das einzige Buch, das er gezielt und ausschließlich in deutscher Sprache veröffentlichte, da es sich an das deutsche Volk richtet.
Schon in seinem Werk „Der Marxismus Antonio Gramscis – von der Utopie zum kritischen Kommunismus“ aus dem Jahr 2000 fokussierte Losurdo auf die einzelnen Etappen des globalen Emanzipationsprozesses und warnte vor der „Flucht„, ja vor einer „Religion der Flucht„: Anspielung auf linken Utopismus, der sich Ende des 20. Jahrhunderts zur „imperialen Linken“ mauserte, wo es ein identitäres „Paradies der Gläubigen“ (beispielsweise die bellizistisch-spätmoderne Ideologie der Grünen seit Ende der 1990er Jahre, wo Arbeiterinteresse durch Lifestyle, Sprachsensibilitäten und kulturelle Anerkennung ersetzt sind) gebe, wobei konkrete Klassenkämpfe ausgeblendet seien. Losurdo ging es in seinem Gesamtwerk um eine zeitgemäße Revolutionstheorie sowie um die Theorie des Kritischen Kommunismus.
Die oberflächliche bis nihilistische Haltung Rosa Luxemburgs zur Nation stufte die nationale Identität zu einem bloß nebensächlichen Vorurteil herab, das quasi vor der überragenden, raumgreifenden Klassenidentität verschwinden sollte: Luxemburg plädierte für die Auflösung der polnischen Nation in eine proletarische, russische Nationalität. Auch im heutigen Deutschland erkennt man seit Jahrzehnten eine Vernachlässigung der nationalen Frage, überschrieben von der imperialen EU-Supranationalitätsdoktrin, welche eine einseitige Westbindung zementierte.
Bild oben: Domenico Losurdo (CC BY-SA 2.5 Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36478561) und Titel des Buches aus dem Kai Homilius Verlag, Berlin 2010
