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Warum „Unselig-Sprechung“ durch den Deutschen Freidenker-Verband? Drucken E-Mail

Der Deutsche Freidenker-Verband will das unmoralische Verhalten von zwei Konzernmanagern gegenüber einer von ihrer Firma angestellten Frau nicht unkommentiert lassen:

Die Herren René Schuster und Albert Fetsch, ihres Zeichens Chief Executive Officer, respektive Leiter Externe Kommunikation der Telefónica Germany GmbH & Co. OHG, werden vom Deutschen Freidenker-Verband im Namen der dreieinigen Forderung nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit „unselig“ gesprochen. Begründung: Sie haben Vanessa Hessler, die bisher als Model und Werbemaskottchen der Firmenmarke gedient hat, fristlos entlassen. Die Schauspielerin hat es gewagt, zu Libyen, zur Familie Ghaddafi und zum Vernichtungsfeldzug gegen das nordafrikanische Land ihre persönliche Meinung in einem Interview zu äußern. Doch die mediale Gleichschaltung kann nicht einmal diese Einzelstimme dulden. Ein typischer Fall von Zensur, die bekanntlich in staatlicher Form verboten ist, aber legal und effektiv durch Akteure der so genannten Zivilgesellschaft geübt wird. In diesem Falle der Unselig-Sprechung geht es also keineswegs um die NATO-Politiker oder Militärs, die sich durch den Angriffskrieg gegen Libyen schwerster völkerrechtlicher Verbrechen schuldig gemacht haben. Um diese Tätergruppe hätte sich eine ihres Namens würdige Strafjustiz zu kümmern. Auch handelt es sich hier nur mittelbar um die Kriegsjournaille, die gegen Libyen als vierte Waffengattung funktioniert hat. Mit jenen Journalisten, die zu gewaltsamer Einmischung in fremden Ländern trommeln, sollen sich Kollegen auseinandersetzen, wenn der schreibenden Zunft noch an beruflichem Ansehen und Berufsethos gelegen ist. Nein, es handelt sich bei dieser Unselig-Sprechung um ganz gewöhnliche Menschen, eben subalterne Geschäftemacher, die – auch ihrer Profitlogik folgend – vor dem herrschenden Meinungsterror moralisch eingeknickt sind. Wie darauf reagieren?

Hier hat die Katholische Kirche Anregung zu bieten. Sie praktiziert seit fast zwei Jahrtausenden die Selig- und Heiligsprechung. Einzelne Figuren sollen religiös verehrt werden, als Vorbilder zur Stärkung des Moralbewusstseins beitragen. Selbstverständlich im Sinne der Kirche. Aber dieser Kult bedeutet in heutigen Zeiten, da Antikommunismus und Fortschrittsfeindlichkeit in die Barbarei führen, dass auch Nazi-Kollaborateure wie der kroatische Erzbischof Aloisius Viktor Stepinac oder der Gründer des reaktionären Ordens Opus Dei, Josefmaria Escrivá, zu moralischen Vorbildern der Kirche avancieren. Die Anpassung des Vatikans an den Zeitgeist hat das ganze Geschäft der Vermehrung von Seligen und Heiligen auf Touren aber auch in Verruf gebracht. Ganz allgemein sind vorbildliche Persönlichkeiten überhaupt rar geworden. Hier wirkt die „Dialektik der Entzivilisierung“ (Werner Seppmann), die der kapitalistischen Widerspruchsentwicklung eigen ist. Soll unter diesen Umständen über Fragen der Ethik und Moral Klarheit geschaffen werden, so scheinen manchmal auch neue Formen angebracht. Warum nicht an Beispielen moralisch verwerflichen Verhaltens über das Richtige und Gebotene aufklären? Die Methode ist alt, neu ist das Verfahren, das eine alte kompromittierte Institution karikieren und im dialektischen Sinne „aufheben“ will. Die Religionskritik der Freidenker ist Gesellschaftskritik. Dem soll auch das neu geschaffene Institut der Unselig- und Scheinheiligsprechung dienen. Zum erstmaligen Fall seiner Anwendung mehr auf der Webseite des Deutschen Freidenker-Verbands.

 


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