Tiefgreifende historische Krise PDF Drucken E-Mail
Junge Welt v. 26.05.2009

Am Wochenende tagte in Berlin der Verbandstag des Deutschen Freidenkerverbandes.
Er beschloß am Freitag folgende Erklärung:

Wir betrachten Aufklärung als die Hauptaufgabe unserer weltanschaulichen Tätigkeit. Unsere programmatische Erklärung von 1994 formulierte die angesichts der Wirtschaftskrise höchst aktuelle Aussage: »Freidenkerinnen und Freidenker bemühen sich um Antworten bezüglich der Ursachen der alle Lebensbereiche umfassenden allgemeinen weltweiten Krise«. Dies erfordert die Analyse der Widersprüche in ihrer Entwicklung auf der Grundlage unseres materialistisch-dialektischen Weltbildes, die Erarbeitung der darin begründeten Moral- und Wertvorstellungen sowie weltanschaulichen Prämissen.

Zur Beantwortung der wichtigsten weltanschaulich-philosophischen und politisch-praktischen Fragen in diesen Umbruchzeiten gehen wir von folgenden Prämissen aus:

1. Ursachen und Wirkungen der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise sind Ausdruck der tiefgreifenden historischen Krise des imperialistischen Herrschaftssystems. Die Krise ist gekennzeichnet durch Zunahme der Massenverelendung und rücksichtslose Bereicherung der Besitzenden, zunehmende Armut, besonders von Kindern, verordnet durch die Hartz-IV-Gesetze. Freidenker treten ein für Mindestlöhne, radikale Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich, bedarfsdeckende und repressionsfreie Mindestsicherung sowie ein menschenwürdiges Leben im Alter.

2. Der »Krieg gegen den Terror« ist ein Mittel zur Neuaufteilung der Welt, der Politik des Neokolonialismus, der Militarisierung der internationalen Beziehungen und der fortgesetzten Zerstörung des Völkerrechts. Im Hinblick auf die verschärften Rekrutierungsbemühungen um neues Kanonenfutter fordern wir die Trennung der Schulen und Arbeitsagenturen von der Bundeswehr! Wir unterstützen den Widerstand gegen Kriege und die Entlarvung der Kriegspropaganda, fordern radikale Abrüstung und ein Nein zur NATO durch Austritt aus dem atlantischen Kriegsbündnis.

3. Die Systemkrise der kapitalistischen Weltordnung geht einher mit einer drastisch verschärften ideologisch-weltanschaulichen Auseinandersetzung; der imperialistischen Herrschaftsstrategie liegen reaktionäre weltanschaulich-ideologische Positionen zugrunde. Kennzeichen sind klerikale Offensiven, gefährlicher Verfall des politischen Denkens und der politischen Kultur, Anwachsen des Rassismus und Chauvinismus, die Propagierung des Bundeswehreinsatzes im Innern und der Marsch in den Überwachungsstaat.

4. Die milliardenschwere Bewußtseinsindustrie verstellt vielen Menschen den Blick auf die Ursachen dieses Niedergangs, fördert Fatalismus und Pessimismus. Das Bildungswesen wird kapitalförmig abgerichtet, reli giöser Aberglauben statt Wissenschaftlichkeit gefördert, Untertanengeist gezüchtet, der Sozialismus verdammt und zum alten Hut erklärt.

Wir setzen den Verdummungsstrategen konkrete Aufklärung entgegen und fördern die Fortführung der Initiative Volksbildung. Wir verteidigen unsere Geschichte und unsere von Kapital- und Herrschaftsinteressen unabhängigen weltanschaulichen Positionen.

5. Die kapitalistische Gesellschaft grenzt immer mehr Menschen von der schöpferischen Gestaltung der Gesellschaft und des eigenen Lebensweges aus.

Wir setzen dagegen auf neue Denk- und Lebensweisen, die Befreiung von allen Formen der Entfremdung und die Veränderung der Produktionsverhältnisse.

Unsere Solidarität gilt den Massen der Entrechteten und Erniedrigten in unserem Land, in Europa und der Welt.
 


   

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Kriegstreiber stoppen
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Wir fordern von Bundestag und Bundesregierung

•    Stopp aller Sanktionen und sonstigen
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•    keine Beteiligung am militärischen
      Aufmarsch gegen den Iran
•    sofortiger Abzug der Bundeswehr
      aus Afghanistan und dem gesamten
      Nahen und Mittleren Osten sowie
      Einstellung aller Waffenexporte
•    Eintreten für die Geltung des
      Atomwaffensperrvertrages für alle
      Länder und eine atomwaffenfreie Zone
      im Nahen und Mittleren Osten
      einschließlich Iran und Israel

Nur so hat ein gerechter Frieden zwischen gleichberechtigten und souveränen Staaten im Nahen und Mittleren Osten eine Chance

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