Der Mensch als Auslaufmodell – über die Ideologie des IT-Kapitals

Aus: „FREIDENKER“ Nr. 3-18, September 2018, S. 52-61, 77. Jahrgang

von Werner Seppmann

Rede auf der Wissenschaftlichen Konferenz des Deutschen Freidenker-Verbandes am 28.04.2018 in Hannover

 

„In der Entwicklung der Produktivkräfte tritt eine Stufe ein, auf welcher Produktionskräfte und Verkehrsmittel hervorgerufen werden, welche unter den bestehenden Verhältnissen nur Unheil anrichten, welche keine Produktionskräfte mehr sind, sondern Destruktionskräfte.“
(Karl Marx)

 

Vor einem Jahrzehnt hätte ich es kaum für möglich gehalten, dass  Marxens Wort, über die Kritik der Religion als Voraussetzung aller Kritik einen neuen Aktualitätsschub erhalten würde. Denn es spricht ja nicht nur der Mitgliederschwund der etablierten Kirchen für einen Trend des Bedeutungsverlustes des Religiösen, sondern auch der deutlich verminderte Zulauf zu den diversen Sekten. Als gläubig bezeichnet sich in der BRD nur noch eine Minderheit der Bevölkerung.

Aber zur Entwarnung besteht dennoch kein Anlass. Und nicht nur, weil die kirchlichen Institutionen immer noch einen großen gesellschaftlichen Einfluss haben, sondern vor allem auch, weil diverse Formen eines quasi-religiösen Aber- und Wunderglaubens weit verbreitet sind. Seinen sichtbaren Ausdruck findet diese Tatsache in einem prosperierenden Esoterik-Markt. Es wird angeboten und findet beträchtlichen Zuspruch, was emotionalen Halt in einer als krisenhaft und verunsichernd erlebten Welt verspricht. Das Irrationale fungiert als „Geist geistloser Zustände“ (Marx). Regelmäßig finden in großen Städten Esoterik-Messen statt und in sogenannten „gutsortierten Buchhandlungen“ sind die überquellende Regale mit Literatur unübersehbar geworden, die eine esoterische „Sinn“-Suche, aber auch die Bedürfnisse nach Wunderglauben und mythischen Ursprungskulten befriedigen.

Die Spiritualismus-Branche bildet ein millionenschweres Betätigungsfeld weil fünfzig Prozent der Deutschen von der Existenz außerirdischen Wesen überzeugt sind, zwanzig Prozent Kontakte mit dem Jenseits für möglich halten und jeder siebte (West-) Bundesbürger an Magie und Hexerei glaubt.

Noch deutlicher zeigen sich solche Regressionstendenzen in den Vereinigten Staaten: Wir wissen (noch) nicht, wie der Präsident Trump es mit den Engeln und Teufeln hält, jedoch Präsident Bush jr. berief sich auf göttliche „innere Stimmen“, um seine imperialen Feldzüge zu legitimieren. Aber in den USA ist ja nicht nur der Präsident ein intellektueller Irrläufer: Jeder sechste Biologielehrer ist glühender Anhänger des Kreationismus und lehrt die biblische Schöpfungsgeschichte zumindest gleichberechtigt mit der Evolutionslehre. Die US-Präsidenten sind ebenso wie die Biologie-Lehrer somit repräsentativer Ausdruck des verbreiteten Irrationalismus innerhalb der Gesellschaft der imperialistischen Führungsmacht, in der, einer Meinungsumfrage des Magazins Time zufolge, fast 70 Prozent an die Existenz von Engeln glauben. Eine andere Erhebung dokumentierte, dass 50 Prozent von der Realität von UFOs und der Anwesenheit von extraterrestrischen Wesen auf der Erde überzeugt sind.

Computerreligion

Aber auch die Silicon-Valley-Ideologie, also der Glauben an die Wunderwirkungen der informationstechnologischen Revolution ist eine Facette dieses quasireligiösen Restaurationsprozesses.

Auf der untersten Ebene der Computerreligion geht es um die Hoffnung, dass sich auf rein technologischer Grundlage alle sozialen und zivilisatorischen Probleme lösen ließen. Lasst uns nur machen, lautet die Parole der IT-Kapitalisten, legt uns keine regulatorischen Steine in den Weg – und alle werden davon profitieren! Aber wie gesagt ist das nur die unterste Ebene digitaler Erlösungsideologien, denn darüber erhebt sich das riesige Gebäude der Hoffnungen auf eine sogenannte Künstliche Intelligenz (KI).

Ihren Kern bilden technologisch determinierte Allmachtsphantasien, die letztlich im Plan zur Schaffung eines neuen Menschen kulminieren, der sich auch der Unsterblichkeit erfreuen soll: Es geht um die Gottwerdung des Menschen, wie nicht nur Kritiker des Digitalisierungsimperialismus bemerkt haben, denn dieser Anspruch wird auch von einflussreichen Computer-Ideologen aus den Zentren des IT-Kapitals formuliert. Es gehe nach den Worten von Ray Kurzweil, von dem wir noch einiges hören werden, darum durch Künstliche Intelligenz das Weltall „aufzuwecken“. Das komme, so Kurzweil, der nicht zufällig Chefentwickler bei der Datenkrake Google ist, „Gott schon ziemlich nahe.“ Der gegenwärtige Mensch mit seinen angeblich begrenzten intellektuellen Kapazitäten und vor allem seinem defizitären Körper in Kombination mit seiner Sterblichkeit sei deshalb als Auslaufmodell anzusehen und die Vorstellungswelt des traditionellen Humanismus hinfällig geworden.

Dieses „Ende des Humanismus“ wird nicht zufällig zu einem Zeitpunkt postuliert, in der unübersehbar geworden ist, dass die kapitalistischen Expansionsgesellschaften auf allen ökonomischen, sozialen und kulturellen Feldern immer größere Widersprüche produzieren und gleichzeitig ihre Problemlösungskompetenz immer fragwürdiger wird. Menschengemäße Existenzbedingungen scheinen sie nicht mehr garantieren zu können. Da kommt die Aufkündigung eines humanistischen Selbstanspruchs mehr als gelegen, denn es ist ein willkommener Nebeneffekt dieser Orientierungen für den herrschenden Block, dass mit der Diskriminierung normativer Perspektiven die Grundlagen für eine radikale Gesellschaftskritik zerstört werden.

Die Zukunft gehöre jedenfalls – so das Postulat – der künstlichen, also einer biologisch unvermittelten Intelligenz, die aller bisherigen Leistungsfähigkeit des Menschen unendlich überlegen sei. Kurzweil, einer der einflussreichsten Propagandisten dieses sogenannten Transhumanismus, ist überzeugt, dass Ende der 2020er Jahre das menschliche Gehirn komplett erforscht sein wird, und es dadurch möglich würde, nichtbiologische Systeme zu erschaffen, welche dem Menschen am Komplexität in nichts nachstünden. Die Voraussetzung aber wäre, dass „wir unsere Biologie immer mehr ablegen und computerähnlich werden und uns mit den Computern verbinden.“ (Kurzweil)

Wir wollen festhalten, dass nach Meinung dieses Transhumanismus-Ideologen nicht der Computer nach Menschenmaß zu gestalten sei, sondern der Mensch immer computerähnlicher werden müsste. Faktisch soll also der übliche Weg kapitalistischer Maschinentechnologie mit ihrer Grundtendenz einer Unterordnung und Reglementierung  der Arbeitenden konsequent fortgeführt und perfektioniert werden, Herrschaft lückenlos durch die technologische Anordnung gesichert werden.

Dieses Begehren korrespondiert mit dem gesellschaftlichen Umgang mit dem Computer und einer Bereitschaft, das Verhalten auch bei existenziellen Konstellationen dem Rechner unterzuordnen, ihn als Akteur anzuerkennen, seine Ergebnisse zu akzeptieren, auch ohne Wissen über die Grundlagen und Regeln seiner „Urteils“-Findung. Diese verbreitete Unterwerfungsbereitschaft lässt Schlimmes befürchten: Dass in der Zukunft der Computer „den Menschen ersetzen“ kann, wird umso wahrscheinlicher, je schneller solche Anpassung des Menschen an die Maschinenlogik voranschreitet. Es sind bisher mehr als nur zaghafte Schritte in diese Richtung gemacht worden. Auch korrespondiert das Begehren, den Menschen den Maschinen anzugleichen mit der verbreiteten Bereitschaft, sich mit Hilfe digitaler Apparaturen selbst zu „optimieren“, um seine Position im universellen Konkurrenzkampf verbessern zu können. Bereitwillig wird der Marketingparole geglaubt, dass jeder zum „Supermenschen“ mit entgrenztem Leistungsvermögen werden könnte.

Bei dem Bemühen, die Entwicklung eines vollständig maschinenkompatiblen Menschen voran zu treiben, spielt wieder einmal der militärisch-industrielle Komplex eine Vorreiterrolle: Seine Entscheidungsträger investieren viel Geld und Energie zur Verbesserung von „Mensch-Maschine-Interaktionen“, damit sichergestellt wird, dass die Menschen jeglichen Skrupel, ebenso wie ihre Ängste verlieren und bedenkenlos den maschinenvermittelten Imperativen folgen. Es soll gelingen, wogegen sich Delfine erfolgreich „verweigert“ haben: Solange ihnen Minenattrappen auf den Rücken gebunden wurden, konnten sie durch Dressur dazu gebracht werden, in die „feindlichen Linien“ hinein zu schwimmen. Beim Einsatz funktionsfähiger Sprengsätze „verweigerten“ sie sich diesem Ansinnen! So falsch dürfte das Kalkül von Militärs nicht sein, dass es einfacher ist, Menschen für solche Selbstmordaktionen zu programmieren.

Übrigens standen solche Anpassungsaufgaben schon am Beginn der Computerentwicklung. Der erste kommerzielle Großrechner von IBM war für das US-Militär bestimmt. Sein Programm sollte das Bedienungspersonal an den Abschussrampen der Atomraketen auch im Falle eines Angriffs soweit „stabilisieren“, dass sie den „Gegenschlag“ noch ausführen konnten.

Unsterblichkeitsmythologie

Auf diesem Weg der vollständigen maschinenkompatiblen Formatierung menschlicher Verhaltens- und Reaktionsmuster sei es nach Ansicht von Kurzweil unverzichtbar, „unsere Biologie immer mehr abzulegen und computerähnlicher zu werden“. Noch einmal wird die Trennung von Leib und „Seele“ im Sinne der christlichen Dogmatik durchdekliniert. Verbunden ist diese ideologische Positionierung mit dem Versprechen, dass als Effekt dieser Entwicklung dann auch die Unsterblichkeit des Menschen, in dem Sinne wäre, dass zunächst sein „Geist“ im Kosmos der Computersysteme weiter leben würde.

Solche ebenso spektakulären wie spekulativen Prophezeiungen werden zwar gerne von den Medien aufgegriffen und mögen auch nicht wenige Menschen überzeugen, haben jedoch den nicht geringen Nachteil, dass sie mit realistischen Einschätzungen der Entwicklungsperspektiven der Künstlichen Intelligenz nicht übereinstimmen. Aber gerade weil dieser neue Schöpfungsmythos ein reines Glaubenskonstrukt ist, das sich an keiner Realität bewähren muss, besitzen die transhumanistischen Prophezeiungen eine große Ausstrahlungskraft, auch wenn sie wenig oder fast nichts mit der Realität der Forschungen über die künstliche Intelligenz zu tun haben – und noch weniger mit der Gehirnforschung auf die sich die KI-Mythologie begründend beruft.

Nach dem Stand der Dinge ist Grundlage dieser Phantasien einzig und allein der gewaltige Anstieg der Rechen- und Speicherkapazitäten des Computers – und alle Hoffnungen werden auf die weitere Potenzierung der Rechnerkapazitäten gesetzt. Jedoch ist keine der KI-Phantasten in der Lage zu benennen welche neuen Erkenntnisse und Entwicklungsfortschritte jenseits einer weiteren Potenzierung der Rechnerleistungen erforderlich wären, um zumindest eine Gleichwertigkeit der Computer-Intelligenz mit humaner Intelligenz zu erreichen.

Tatsächlich ist es so, dass menschliches Bewusstsein und Intelligenz für die seriöse Forschung immer noch ein Buch mit sieben Siegeln ist. Jedenfalls reicht eine Beschreibung der Aktivitäten, die sich in den bunten Bildern des Gehirnscreenings erkennen lassen nicht aus, um die entscheidenden Frage zu beantworten. Computerbilder ermöglichen es zwar, die formalen Abläufe von Gehirntätigkeit zu beschreiben, ohne jedoch dass evident ist, was sie essenziell bedeuten.

Zwar wird bei den elektronischen Abbildungsverfahren der Eindruck erweckt, dass man die Gehirn-“Tätigkeit“ direkt verfolgen könne und so wie bei einer Röntgen-Aufnahme die Knochen, nun reale Gehirnströme sichtbar würden. Aber dem ist nicht so, denn was sichtbar wird, ist ein Konstrukt, das Ergebnis digital verarbeiteter Einzelinformationen.

Im Endeffekt sind Neuroimaging-Bilder keine Abbildungen des  tätigen Gehirns, sondern das Ergebnis einer Vielzahl von digitalen Prozess-Schritten, angefangen mit der Verarbeitung der Scanner-Rohdaten bis hin zu den abschließenden statistischen Berechnungen. Sachlich angemessener müsste deshalb von einer Illustration neuronaler Vorgänge gesprochen werden. Dieses  Verfahren gibt keine Antwort darauf, was Bewusstsein ist und noch weniger, wie Intelligenz entsteht oder was ihre unverzichtbaren Voraussetzungen sind.

Hinzu kommt, dass eine ganze Reihe der Programme, die bei deren bildhaften Konstruktion zum Einsatz kommen, als sehr fehlerhaft gelten. Dennoch werden mit ihrer Hilfe eine ganze Reihe Analyseschritte vollzogen, bei der die Computerregeln die später sichtbaren Konstrukte stark beeinflussen. Das unscharfe Maschinenbild tritt an die Stelle realer Differenzierungsprozesse: Unberücksichtigt bleiben Wirklichkeitsfacetten, die durch den Raster der „Computerlogik“ fallen.

Physikalismus

Hoffnungen, dass eine potenzierte Leistungsfähigkeit der elektronischen Maschinen ausreicht, um „Intelligenz“ zu entwickeln, kann jedenfalls nur haben, wer ein reduktionistisches Menschenbild besitzt wie es von der Kybernetik und dem Behaviorismus vertreten wird, von denen Subjekte auf bloße Funktionsautomaten reduziert und der „lernende Organismus“ mit den Reaktionsmustern von Laborratten gleichsetzt wird. Voraussetzung dafür ist es, das Menschsein auf rein physikalische Funktionsweisen und die formalen Aufbauprinzipien seines Gehirns zu reduzieren.

Mit welcher Leichtfertigkeit das geschieht, demonstriert gegenwärtig der in den USA tätige Physiker Max Tenmark, dessen PR-Parolen für sein neues Buch medial bereitwillig aufgegriffen werden. Zwar konzediert er, dass es momentan keine künstliche Intelligenz gäbe (in der Regel hört man ja etwas Anderes!), aber das wolle nicht viel heißen, denn deren Schaffung sei doch letztlich eine einfache Übung, denn – so Tenmark (2017 in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung) – haben wir „uns Intelligenz traditionell als etwas Mysteriöses vorgestellt, das nur in biologischen Organismen existiert, besonders im Menschen. Aus meiner Perspektive als Physiker ist Intelligenz jedoch eine bestimmte Art der Informationsverarbeitung, die bewerkstelligt wird, von sich bewegenden Elementarteilchen. Es gibt kein Gesetz der Physik, das besagt, dass man nicht Maschinen konstruieren kann, die in jeder Hinsicht intelligenter sind als wir.“

Mit einer solchen Reduktion der Intelligenz auf „sich bewegenden Elementarteilchen“, ist die Diskussion auf das Niveau des mechanischen Materialismus des 18. Jahrhundert zurückgefallen, der Menschen als nach den Gesetzen der Mechanik funktionierende Maschine begriffen hat.

Zwar sind die elektrischen und chemischen Prozesse des Gehirns, die im Mittelpunkt des Interesses der „Intelligenz“-(Re-)-Konstruk­teure stehen, die Grundlage menschlicher Intellektualität, machen aber nicht deren Spezifik aus. Doch darüber schweigen die KI-Ideologen! Auch was sie als angeblich erfolgreiche Rekonstruktion des neuronalen Apparates angeben, bleibt hinter der tatsächlichen Komplexität des menschlichen Gehirns meilenweit zurück. Der Einfachheit halber zitiere ich eine Passage aus dem verlässlichen Buch „Neuromythologie“ von F. Hasler, um alleine schon die biologische Vieldimensionalität menschlicher Geistestätigkeit zu illustrieren:

„Das Gehirn besteht – neben anderen Zellenarten – aus geschätzten 100 Milliarden Neuronen, die über eine geschätzte Billiarde Synapsen miteinander in Verbindung stehen. Dazu kommt eine schier unüberschaubare Zahl von Botenstoffen (Amine, Neuropeptide, Aminosäuren und Gase), welche die Nervenübertragung durch Wechselwirkung mit einer Hundertschaft verschiedener Rezeptoren orchestriert und reguliert. Und nicht zu vergessen: Ebenso viele Hormone, zuständig für mittel- und langfristige Modulation biologischer Vorgänge, sowie tausende von Regulationsgenen. Ganz zu schweigen von spezifischen Transportmechanismen, molekularen Speicherorganen und einer ganzen Armada von Enzymen. Zudem mehren sich die Hinweise, dass nicht nur Neuronen, sondern auch ganz andere Zelltypen des Gehirns für Bewußtseinsprozesse, insbesondere für Gedächtnisfunktionen fundamental wichtig sein könnten“.

Selbst wenn es gelänge, dieses biologische Gerüst des Gehirns und die zu ihm vermittelten biochemischen Funktionsabläufe zu rekonstruieren, dürfte das spezifische „Arbeitsniveau“ der Bewusstseinstätigkeiten noch lange nicht erreicht sein. Es gibt in der Hirnforschung begründete Ahnungen über Wirkungskorrelationen, aber kein Wissen über konkrete Funktionszusammenhänge. Im Verhältnis des tatsächlichen Erkenntnisstandes zu den realen Gehirnfunktionen verhält es sich nicht anders, als wenn ein Familienvater die Skizze eines Autos aufs Papier bringt und dann seinen Kindern sagt: „Freut euch darauf, morgen können wir damit in den Urlaub fahren.“

Systematisch gehen die KI-Ideologen der Tatsache aus dem Weg, dass die Intelligenz lebendiger Menschen durch Bedeutungsebenen und Sinnperspektiven charakterisiert ist, die an die erfahrungsgeleitete Interaktion mit der objektiven und der sozialen Welt ebenso gebunden sind. Ebenso evident ist es, dass es kein Denken ohne ein dazu vermitteltes Selbstbewusstsein gibt. Negiert wird die Tatsache, dass der Mensch in seinen sozialen Beziehungsverhältnissen die einzige Quelle allen Sinns findet. Die Abwertung menschlicher Normativität eröffnet jeglicher Barbarei Tür und Tor, denn wird den Maschinen freier Lauf gelassen, geht es nicht mehr um reflektierte Entscheidungen und die Abwägung von Wertpräferenzen, sondern um die Durchsetzung formalisierter Reaktionsmuster – die im Auftrag der Herren der Maschinen programmiert werden.

Faktisch bedeuten die der KI-Mythologie inhärenten Vorstellungen, dass sich nur die Technik, jedoch nicht der Mensch entwickeln soll. Der Mensch soll auf seiner jetzigen Entwicklungsstufe festgeschrieben werden. Diese Fixierung hat eine machtkonforme Bedeutung: die Scheu vor der Frage, wie der Mensch jenseits seiner klassengesellschaftlichen Bedingungen und Einschränkungen sich entwickeln könnte, ist für ein herrschaftskonformes Denken unvermeidlich, denn jegliche humanistische Perspektive würde das gegenwärtige Zivilisations- und Vergesellschaftungsmodell radikal in Frage stellen.

Sinnhorizonte

Reine Rechenleistungen auf der Basis von Daten, deren Erhebungskontexte meist unbekannt sind, haben isoliert jedenfalls nichts mit menschlichen Wissen und darauf aufbauender Intelligenz zu tun, denn menschliche Intellektualität besteht nicht nur in Faktenverarbeitung. Aber genau darin – und nur darin – besteht die Leistung der Geistesmaschinen: Die Computerarbeit ist abgeschieden von lebendiger Erfahrung, Sinnperspektiven und sozialen Kooperationszusammenhängen, also zu den Dingen, die für menschliche Lern- und Denkprozesse konstitutiv sind. Menschliche Intelligenz ist – um das wenigsten stichwortartig zu erwähnen – durch ihre sozialen und emphatischen Faktoren, durch Spontanität und Kreativität und nicht zuletzt auch durch Phantasie und antizipatorische Fähigkeiten charakterisiert.

In ihrer Grundtendenz ist die Computerlogik dagegen durch die Reproduktion eines immer schon Vorgegeben nach rein formalen und „sinnfreien“ Mustern geprägt. Die sogenannte Computer-Intelligenz ist nicht kreativ sondern reproduktiv; die „Lernfähigkeit“ der Geistesmaschinen ist reaktiv, nicht schöpferisch-produktiv. Und dieser Arbeitsmodus verbirgt sich auch hinter der Formel von lernfähigen Geistesmaschinen, die in ihren entwickelten Formen auf Grundlage der ihnen zur Verfügung stehenden Informationen Analogieschlüsse ziehen, aber keine gänzlich neuartigen, also kreative Wege finden können. Die bisher nicht begangenen Wege bleiben ihnen verschlossen.

Die Entwicklungsprognosen über eine zu erwartende Überlegenheit des Computers besitzen nur dann einen Schein von Plausibilität, wenn ein reduktionistisches Menschenbild zum Maßstab genommen wird, wenn menschliche Geistestätigkeit ebenfalls auf formale Abläufe und bloße Reproduktionsfähigkeiten reduziert wird. Es ist jedenfalls vulgärmaterialistischer Reduktionismus, wenn der Neurophysiologe Wolf Singer postuliert, dass alles, was dem Geistigen zugeschrieben wird, „rein biologisch bedingt“ sei.

Richtig ist zwar, dass Intellektualität zum Biologischen vermittelt ist, jedoch anders als Singer unterstellt, aus dem biologischen Vorgängen nicht „ableitbar“ ist. Was das „Geistige“ ausmacht, ist eben mehr als Biologie. Wäre es anders, wäre eine Unterscheidung zwischen beiden Seinsformen weder notwendig noch möglich! Es ist Ausdruck der weitverbreiteten Akzeptanz von Scheinevidenzen, wenn Gerhard Roth, ein nicht weniger renommierter Neurophysiologe als Singer, das Bewusstsein auf biochemische Prozesse reduziert wissen will: „Bewusstsein im Sinne individuell erfahrbarer Erlebniszustände ist unabdingbar an Hirnaktivitäten gebunden“. Es gäbe nach Roth „keinerlei Hinweise darauf, das Bewusstsein auch ohne neuronale Aktivität existiert [was auch niemand, aber auch wirklich niemand behauptet hat!]. Alle Erkenntnisse der Neurowissenschaften gehen dahin, dass jedem Bewusstseinszustand ein ganz bestimmter Hirnzustand bzw. -prozess zugrunde liegt.“ Zweifellos ist das alles richtig, jedoch gemessen an dem dieser Aussage zugrunde liegenden Erklärungsanspruch bewegt sie sich unterhalb eines wissenschaftlichen Anfänger-Niveaus; denn mit gleicher Berechtigung ließe sich auch sagen, dass es keine Kriege in der Menschheitsgeschichte gegeben habe, in deren Verlauf die Kämpfenden nicht geatmet hätten. Auch das ist zweifellos richtig, sagt aber natürlich nichts über die Tatsache des Krieges und noch weniger über seine Ursachen aus!

Der Mensch als „gesellschaftliches Naturwesen“ (Marx) ist ohne seine biologischen Voraussetzungen nicht zu begreifen: Sie sind eine unabdingbare Seite seiner Existenz – und zwar in gleicher Weise, wie für Ameisen, Elefanten oder die Waschbären. Aber die Vermitteltheit zur Natur macht nicht alleine die Spezifik des Menschen aus. Genetisch unterscheidet ihn kaum etwas vom Affen, aber fundamental sind die Differenzen in den „weichen“ Aspekten seiner Existenz (Empathie, ethische Reflexionsfähigkeit, das Bedürfnis nach ästhetischer Lebensgestaltung, die abwägende Voraussicht, das reflektierte Handeln sowie die aktive Umgestaltung der Naturbasis und die Gestaltung seiner Lebensverhältnisse, zu der beispielsweise auch die entwicklungsgeschichtlich entstandene Fähigkeit zum Kochen gehört usw.).

Reduktionismus

Die qualitativen Merkmale menschlicher Existenz sind zwar zu biologischen Voraussetzungen vermittelt, jedoch nicht aus ihnen zu erklären – und deshalb können sie auch von algorithmengesteuerten Systemen nicht erfasst und „rekonstruiert“ werden! Menschliches Bewusstsein ist deshalb meilenweit von einer digitalen „Rekonstruktion“ entfernt: Selbst die Vorstufen humaner Spezifika sind für die entsprechenden Wissenschaftsdisziplinen noch ein Buch mit sieben Siegeln. Sie können den Übergang von der unbewussten zur bewussten Materie nicht erklären, auch wenn es naturwissenschaftlich möglich ist, den einen oder anderen Entwicklungsvorgang zu beschreiben. Aber warum die Menschen fühlen können, warum sie Farben erkennen und Gerüche zu unterscheiden in der Lage sind, bleibt nach wie vor naturwissenschaftlich unerschlossen.

Diese Ausgangslage wird jedoch von den Ideologen der „Künstlichen Intelligenz“ und den Prognostikern einer den Menschen bald ablösenden (oder zumindest vollständig ersetzenden) Maschine überhaupt nicht zu Kenntnis genommen. Ihre inhaltlichen Implikationen können sich ihnen auch nicht erschließen, weil sie der Selbsttäuschung unterliegen, dass bei einem weiteren Anwachsen der Datensätze und einer zunehmenden Geschwindigkeit ihrer Verarbeitung, sich automatisch eine Form „höherer Intelligenz“ entwickeln würde und die noch bestehenden Gräben auf der Basis technologischer „Mutationen“ einfach übersprungen würden.

Bei den Prognosen über „denkende Roboter“ sollte immer in Erinnerung bleiben, dass ein Durchbruch bei ihrer Entwicklung schon lange prognostiziert wird. Bei einer von Joseph Weizenbaum als abschreckendes Beispiel zitierte (aus dem Jahre 1958 stammende) Ankündigung handelt es sich um keinen Einzelfall. Sie ist repräsentativ für eine wirklichkeitsferne Prognostik – bis heute: „Es gibt nunmehr in der Welt Maschinen, die denken, lernen und schöpferisch tätig sind. Darüber hinaus wächst ihre Fähigkeit auf diesen Gebieten zunehmend, bis – in absehbarer Zukunft – der Bereich von Pro­blemen, die sie bearbeiten können, sich mit dem Bereich deckt, der bis jetzt dem menschlichen Denken alleine vorbehalten war.“

Technologische Rationalität und ein ihr zugrunde liegender Funktionalismus können bis heute dominieren, weil auch die Reste kritischer Reaktionsmöglichkeiten zunehmend still gestellt worden sind: Kritik- und Gedankenlosigkeit sind weit verbreitet, soziales und kulturelles Leben reproduziert sich dadurch immer stärker vermittelst entfremdeter Denk- und Handlungsmuster, von denen der technologische Determinismus eine Facette ist, bei dem es sich faktisch um die Verpflichtung des Denkens auf einen intellektuellen Reduktionismus handelt. Deshalb spiegelt sich in den übersteigerten Vorstellungen über die Maschinen-„Intelligenz“ letztlich auch nichts anderes, als der entfremdete und instrumentalisierte, auf ökonomische Funktionalität reduzierte Mensch, wie er von der krisengeprägten kapitalistischen Lebenspraxis produziert wird.

Trotzdem sind zumindest die reflektierten Theorien über „Künstliche Intelligenz“ nicht ohne Reiz. Nicht zuletzt auch für Materialisten, die das menschliche Gehirn als Produkt einer hochkomplexen Materialität begreifen. Aber dennoch sind diese Vorstellungen (zumindest in der historisch-dialektischen Variante materialistischen Denkens) weit von den reduktionistischen Phantasien der tonangebenden KI-Propheten entfernt. Denn im Kontext eines historisch-materialistischen Verständnisses von Mensch und Natur gilt Bewusstsein als eine zu „materiellen“ Abläufen und „Substanzen“ vermittelte Größe, ohne dass davon ausgegangen wird, dass es aus dieser „Basis“ vollständig erklärt werden kann.

Mit dem „Geist“ und dem menschlichen Bewusstsein ist es prinzipiell nicht anders, als mit den anderen Entwicklungsstufen des Seins: Sie haben objektive Voraussetzungen in dem Sinne, dass die entwickelteren Stufen in den ihnen genetisch vorausgehenden ihre irreversible Basis haben. So ist die Existenz des biologischen nicht ohne das anorganische Sein zu begreifen. Aber das organische Sein ist dennoch nicht aus den Entwicklungsprinzipien lebloser Materie zu erklären – jedenfalls nicht nach dem aktuellen Erkenntnisstand. Das muss nicht so bleiben! Denkbar ist es, dass die fehlenden Entwicklungsschritte noch entdeckt und Verbindungslinien rekonstruiert werden können. Die theoretischen Rekonstruktionsmöglichkeiten dieser Prozesse hängen jedoch davon ab, ob sie vollständig Regeln oder nicht doch Zufällen und Entwicklungssprüngen (Mutationen) unterworfen sind. Wäre letzteres der Fall, blieben die entscheidenden Entwicklungsschübe für immer unerklärlich.

Aber die theoretischen Unwägbarkeiten ändern nichts an der Tatsache, dass im Rahmen dieser Entwicklung etwas qualitativ Neues entstanden ist, das in seiner Substanz und Wirkungsweise nicht auf das Ursprüngliche reduziert werden kann. Das gilt allemal für die Entstehung des Bewusstseins, das, wie gesagt, trotz seiner biologischen Vermitteltheit mit biologischen Kategorien (und noch weniger physikalischen) alleine nicht zu erklären ist.

Totalitarismus

Aber die bittere Pointe dieser ganzen Geschichte ist, dass es aus der Interessenperspektive der IT-Multis letztlich unerheblich ist, ob Künstliche Intelligenz im Sinne des Transhumanismus jemals erreicht wird und Maschinen „das Denken“ lernen – denn diese faktenresistente Diskussion erfüllt auch so ihren Zweck, weil sie dazu geeignet, das gegenwärtige Streben nach totaler Erfassung und Kontrolle – also dem Kerngeschäft des IT-Komplexes – in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Denn gelingt auch nicht der Ersatz menschlicher Intellektualität, so sind die Versuche umso vielversprechender, unmittelbar in das menschliche Gehirn einzudringen, wie es zum Zielhorizont der IT-Multis gehört.

Bisher war man gezwungen Umwege zu gehen. So sind Programme im betrieblichen Einsatz, die in der Lage sind, auf Grundlage erfasster psychischer Befindlichkeiten der Arbeitenden leistungsfördernde Impulse zu geben. Aber auch der manische Umgang mit dem Smartphone ist ein Musterbeispiel der Außensteuerung: Es werden bio-chemische Prozesse stimuliert, die suchtähnliche Verhaltensweisen fördern. Es ist jedenfalls kein Zufall, dass in Silicon Valley mehr Psychologen als Informatiker beschäftigt sind, die sich mit der systematischen Manipulation der Nutzer-Psyche beschäftigen.

Von der indirekten Steuerung will das IT-Kapital jedoch zur direkten übergehen. Deshalb gehört die Implantation von Software direkt in den menschlichen Körper – und perspektivisch ins Gehirn – zu den aktuellen Geschäftszielen von Google und vielen anderen. Eine erfolgreiche Zwischenetappe auf dem Weg ins Gehirn ist die Implantation von Chips unter die Haut von Nutzern, auf denen persönliche Codes gespeichert werden, die den Zugang zu Sicherheitszonen, aber auch die Kontrolle der Wege im Betrieb ermöglicht. Doch dabei will das IT-Kapital nicht stehen bleiben.

Versteckt im Schafspelz des Transhumanismus soll das Geschäft der lückenlosen Erfassung durch totalitäre Einflussnahmen ergänzt werden. Und das wäre am besten zu erreichen, wenn z. B. die Google-Dienst­leistungen direkt mit dem Gehirn verbunden werden könnten. Um die heutigen Einflussstrategien überflüssig zu machen, müsste es nach Meinung des Google-Gründers Page „Implantate geben, die bereits Antworten liefern, wenn man nur an etwas denkt.“ Google, so geht diese programmatische Äußerung weiter, solle „zu unserer dritten Gehirnhälfte“ werden. Überraschen dürfte es nicht, dass die Militärs diese Entwicklung mit gesteigertem Interesse verfolgen, verspricht die Entwicklung ihnen doch, bald über lebende und doch willenlose Kampfroboter zu verfügen.

Das diese ins Gehirn implantierte Technik noch nicht marktfähig ist, bedeutet keineswegs, dass es sich – so wie bei den Geschichten über eine den Menschen überlegene Künstliche Intelligenz – um Science-Fiction handelt, denn die Entwicklung ist bereits weit vorangeschritten. Wohin die Reise geht wird durch die Patente deutlich, die Google sich gesichert hat. Dr. Marbuses „Kabinett des Grauen“ wird dadurch spielend in den Schatten gestellt.

Faktisch wird daran gearbeitet, dass der Mensch der zumindest prinzipiell zur Entwicklung alternativer und emanzipatorischer Vorstellungen und Handlungsperspektiven fähig ist, tatsächlich zu einem Auslaufmodell regrediert. Im Idealfall soll den Menschen ein eigenständiges Denken und selbstbestimmtes Reagieren ganz abgewöhnt werden. In dieser Hinsicht haben einige Ausprägungen der „Kalifornischen Ideologie“ mehr als nur einen latent faschistoiden Charakter: Nicht nur der gegenwärtige Gesellschaftszustand gilt ihnen als unüberschreitbar, sondern auch totalitäre Positionierungen sind dem IT-Establishment nicht fremd.

Beispielsweise dem Netz-Multimillionär Peter Thiel (Mitbegründer des PayPal-Zahlungssystems), der von einem Kampf zwischen Politik und Technologie auf Leben und Tod zum Zweck der Stabilisierung der herrschenden Gesellschaftsordnung spricht: „Das Schicksal unserer Welt liegt vielleicht in den Händen eines einzelnen Menschen, der den Mechanismus der Freiheit erschafft oder verbreitet, den wir brauchen, um die Welt zu einem sicheren Ort für den Kapitalismus [!] zu machen.“ Anders hat das deutsche Monopolkapital die Rolle des Anstreichers aus Österreich auch nicht gesehen!

Dass demokratische Partizipation ausgedient, selbst ihre Modellfunktion verloren hat, wird nicht nur vom Spitzenmanagement der IT-Industrie betont, sondern ist auch immer deutlicher aus den Denkfabriken des Silicon Vallay zu hören: Demokratie sei „eine veraltete Technologie …; sie hat Reichtum, Gesundheit und Glück für Milliarden Menschen auf der ganzen Welt gebracht. Aber jetzt wollen wir etwas Neues ausprobieren.“ (Randolph Hencken)

Und mit diesem „Neuen“ ist man weit fortgeschritten: Schon heute sind die digitalen Systeme der Erfassung und Beeinflussung so universal und wirkungsvoll, dass die negativen Utopien eines Georges Orwell dagegen phantasielos wirken. Und die IT-Milliardäre lassen keinen Zweifel daran, dass die Fahnenstange ihres totalitären Begehrens noch lange nicht erreicht ist. Georges Orwell soll noch viel gründlicher beschämt werden.

Es sollte sich deshalb auch niemand Illusionen darüber machen, dass ohne fundamentale Eingriffe in die Besitz- und Verfügungsverhältnisse, alleine durch eine „progressive Dynamik“ der technologischen Entwicklung in Kombination mit Regulierungsmaßnahmen dem totalitären Begehren das IT-Kapitals in die Schranken gewiesen werden könnte. Weil ihnen jedoch die Bedrohung durch politische Eingriffe sehr wohl bewusst ist, haben die IT-Multis Vorsorgestrategien entwickelt. Sie sind bemüht, ihren Kampf gegen die Gesellschaft durch technische Umgestaltungen zu komplettieren. Sie sind auf den Sprung, ihre Infrastrukturen „in Sicherheit“ zu bringen. „Wir wollen ein paar Orte haben, wo wir sicher“ sein können, beschreibt Google-Gründer Larry Page die Planungen. Man ist in der Vorbereitungsphase, um sich den nationalstaatlichen Einflüssen entziehen zu können. Gearbeitet wird (mit großer Intensität auch bei Microsoft) an schwimmenden Serverstationen in internationalen Gewässern oder an der Gründung autonomer Inselstaaten zur Etablierung totaler Marktsysteme. Aber am liebsten würde man sich ganz von der Erde verabschieden. Dazu sollen projektierte Satellitennetzwerke beitragen.

Dr. Werner Seppmann, Haltern am See,
ist Philosoph und Soziologe sowie Mitglied des Beirats des Deutschen Freidenker-Verbandes

 

Weiterführende Literatur

  • Hans-Dieter Bahr, Die Klassenstruktur der Maschinerie, Tübingen 1973
  • Thomas Fricke, Die Akte Google, München 2015
  • Markus Gabriel, Ich ist nicht Gehirn. Philosophie des Geistes für das 21. Jahrhundert, Berlin 2015
  • Felix Hasler, Neuromythologie. Eine Streitschrift gegen die Deutungsmacht der Hirnforschung, Bielefeld 2012
  • Markus Jansen, Digitale Herrschaft. Über das Zeitalter der globalen Kontrolle und wie Transhumanismus und Synthetische Biologie das Leben neu definieren, Stuttgart 2015
  • Leo Kofler, Technologische Rationalität im Spätkapitalismus, Frankfurt/M. 1971
  • Konrad Paul Liesmann, Theorie der Unbildung. Die Irrtümer der Wissensgesellschaft, München 2008
  • Werner Seppmann, Herrschaftsmaschine oder Emanzipationsautomat. Über Gesellschaft und Computer, Bergkamen 2016
  • Werner Seppmann, Kritik des Computers. Der Kapitalismus und die Digitalisierung des Sozialen, Kassel 2017
  • Thomas Wagner, Robokratie. Google, das Silicon Valley und der Mensch als Auslaufmodell, Köln 2015
  • Joseph Weizenbaum, Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Intelligenz, Frankfurt/M. 1977
  • Joseph Weizenbaum, Computermacht und Gesellschaft, Frankfurt/M. 2001

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Werner Seppmann: Der Mensch als Auslaufmodell – über die Ideologie des IT-Kapitals (Auszug aus FREIDENKER 3-18, ca. 1,2 MB)


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   Der Vortrag ist hier als Video verfügbar: http://www.freidenker.org/?p=5354


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